Zeitung Heute : WM-SPOT(T)

Ludwig XIV.hinterließ als Denkmal seiner Epoche Schloß Versailles.

Napoleon setzte sich ein Monument mit dem Triumphbogen.

Georges Pompidou krönte seine Regierungszeit mit einem gar nach ihm benannten Kulturzentrum gigantischen Ausmaßes.

Francois Mitterand schuf, auf daß ewig an ihn gedacht würde, diese faszinierende Glaspyramide beim Louvre.

Und Chirac? Der jetzige Boß? Was wird der Ausdruck seiner Epoche sein? Keine Frage: Sein Denkmal heißt: Coupe de monde.

Dies ist, wer wüßte es nicht, jener Pokal, den der Fußball-Weltmeister erhält.Und die Chancen stehen nicht schlecht.1998 oder nie, heißt die Devise.Denn die Franzosen besitzen ein gutes Team, spielen im eigenen Land vor eigenem Publikum - und es hat sich im Verlaufe des bisherigen Turniers keine einzige "Übermannschaft" herauskristallisiert, die unschlagbar scheint.Das eigentlich einzige, was den Franzosen deshalb beim Erringen von glanzvoller Kick-Gloire et Grandeur noch entgegensteht, ist der Zustand der eigenen Nerven.Liegen die Stränge beispielsweise blank, dann können die Bleus bereits am heutigen Freitagnachmittag in Paris St.Denis ihr Waterloo erleben: gegen die anderen Blauen, die Azzuri.Denn die eiskalten Italiener sind der heißeste Gegner, den man sich vorstellen kann.Kein Team trat bei diesem Championat bisher so präzise und klar konstruiert auf wie jenes vom Stiefel.

Chirac wird deshalb vermutlich nicht nur als Fußball-Freak, sondern auch als Politiker - um nicht zu sagen: Staatsmann - zittern im heutigen Viertelfinale.Nicht nur ein Plus an Wählerstimmen steht auf dem Spiel.(Denn ein Erfolg wird bekanntlich immer dem Regierenden als Bonus gutgeschrieben, als hätte er selbst gekickt.) Sondern sehr viel mehr: sein Denkmal.Auch wenn es - rein als Plastik betrachtet - wesentlich kleiner ist als Jacques Chirac selbst: Es wäre das größte.Zumindest 1998.Und man müßte daran gehen, zur ewigen Erinnerung etwas Neues zu schaffen in Paris.Am besten: eine Triumphkugel.jus

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