Zeitung Heute : Wo bleibt das Chaos?

FRANK NOACK

"Bean" - nicht wirklich der "ultimative Katastrophenfilm"FRANK NOACKWo bleibt das Chaos?"Bean" - nicht wirklich der "ultimative Katastrophenfilm" -Bei der Pressevorführung gab es Tequila.Eine sympathische Geste, aber überflüssig! Über das Leinwanddebüt von Mr.Bean kann man auch im nüchternen Zustand lachen.Natürlich gab es einigen Grund zur Skepsis.Ein Spielfilm verlangt zum Beispiel eine andere Dramaturgie als ein TV-Sketch. Nun - die dramaturgischen Probleme sind beim ersten abendfüllenden "Mr.Bean"-Film nicht bewältigt worden, dafür wurde jedoch eine Verflachung und Verharmlosung der Hauptfigur vermieden.Die Figur des Mr.Bean ist ein Musterbeispiel dafür, wie man ohne Zensur heraufzubeschwören Tabus verletzen kann.Dieser Kleinbürger im grauen Anzug ist weder sexbesessen noch gewalttätig noch drogensüchtig.Niemand kann ihm vorwerfen, er leite vorsätzlich zu schlechtem Benehmen an. Mr.Bean ist ein höchst unangenehmer, unappetitlicher Zeitgenosse, und dabei so lebensecht, daß es wehtut.Kein gerissener Schurke, den wir insgeheim bewundern, sondern der gewöhnliche Trottel, der uns im Alltag nervt.So einer, der wirklich niemandem etwas antun will, und um den wir trotzdem einen großen Bogen machen.Ihm läuft die Nase, seine Kleidung riecht muffig, er nuschelt und brabbelt.Mr.Bean ist verhaltensgestört, aber statt zu leiden, bringt er andere zur Verzweiflung - und das wiederum ist für den außenstehenden Betrachter komisch. Dieser lästige Zeitgenosse erfreut sich einer großen Fangemeinde.Seit ihrem Start 1989 ist "Mr.Bean" die erfolgreichste britische TV-Serie aller Zeiten und der Bean-Darsteller Rowan Atkinson - sicher auch mangels Konkurrenz - der weltweit bedeutendste Komiker.Im Film tritt er natürlich wieder als Versager auf, als der schlechteste Museumsangestellte Englands.Da seine genervten Vorgesetzten es nicht mehr mit ihm aushalten, vermitteln sie ihm eine Stelle in Los Angeles.Hier hält man ihn für einen Kunstexperten; Bean muß Reden halten und darf ein 50 Millionen Dollar wertvolles Gemälde restaurieren - mit ganz verheerenden Folgen. Zahlreiche Gags sind schon aus den Kurzfilmen bekannt.Das macht nichts, denn sie funktionieren auch beim wiederholten Sehen.Aber warum ist das Gag-Recycling nicht wenigstens auf die Spitze getrieben worden? Warum haben die Drehbuchautoren nicht den berüchtigten Empfang bei der Queen wiederholt oder wenigstens variiert? Statt dessen haben sie die Gags einer Handlung untergeordnet, die herkömmlichen Gesetzen der Logik folgt und keinen Raum für den puren Blödsinn läßt."Mr.Bean" ist zwar hübsch fotografiert und flott inszeniert (Regie: Mel Smith), es gibt auch mehr zu lachen als bei den meisten anderen Filmen, die gerade in unseren Kinos laufen.Aber der Angriff auf die Lachmuskeln hätte radikaler ausfallen können.Beim nächsten Mal sollten sich Rowan Atkinson und sein Team auf eine lose Nummern-Revue beschränken: Der Chaot Mr.Bean hat nämlich ein chaotisches Drehbuch verdient. In 23 Berliner Kinos, OV im Eiszeit 1 und in der Kurbel 2. 

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