Zeitung Heute : Wo Feuer ist, muss kein Rauch sein

Kaminobjekte in modernem Design erzeugen Flammen auf Alkoholbasis. Es gibt sogar Modelle zum Aufhängen

Elfie Kreis

In der kalten Jahreszeit träumt so mancher von einem Kaminfeuer in den eigenen Wänden. Wem es dabei vor allem um den Wohlfühlfaktor und die Aussicht auf einen gemütlichen Abend geht, der braucht daheim heutzutage auf die Lagerfeuerromantik lodernder Flammen nicht zu verzichten. Auch dann nicht, wenn sich der aufwendige Einbau eines offenen Kamins oder die Aufstellung eines Kaminofens nicht realisieren lässt.

Kaminobjekte und Feuermodule, die mit Bio-Ethanol oder mit einem speziellen, ebenfalls hauptsächlich aus Bioalkohol bestehenden Brenn-Gel befeuert werden, bieten eine attraktive Alternative, die überaus einfach zu handhaben ist. Ethanol verbrennt ohne Rückstände und geruchsneutral. Die Flamme raucht und rußt nicht. Weder Schornstein noch Abzug sind nötig.

Brenn-Gel hat gegenüber flüssigem Ethanol einen Vorteil: eine doppelt so lange Brenndauer bei gleicher Menge. Die entsprechenden Modelle müssen also seltener nachgefüllt werden. Doch anders als beim wartungsfreien Betrieb mit reinem Bio-Ethanol hinterlässt der Gel-Anteil dabei jedoch geringe Rückstände, die nach einiger Zeit das Reinigen des Brennmittel-Behälters notwendig machen. Nach- und Vorteil zugleich ist die relativ geringe Wärmeentwicklung dieser speziellen Feuerstellen. Sie sind zwar als effiziente Zusatzheizung ungeeignet, doch als dekorative, mobile Wohnaccessoires leiten sie anheimelnde Wärme am gewünschten Einsatzort ab, sei es im Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Balkon oder auf der Terrasse.

Es gibt tragbare Modelle sowie Kaminobjekte für Tisch, Wand oder Boden. Spezielle Module eignen sich zum Einbau, beispielsweise in vorhandene Mauernischen oder selbst in Schrankwände. Auch komplette Feuermöbel mit integrierten Feuerstellen sind erhältlich.Eine besonders vielfältige Auswahl hat man bei Ethanolkaminen, deren klare, geradlinige Formgebung und Materialwahl auf den zeitgenössischen Chic moderne Einrichtungsstile abgestimmt ist. Sofern die Geräte ein TÜV-Prüfsiegel besitzen, ist neben dem emissionsfreien Betrieb auch die Sicherheit beim Brandschutz garantiert.

Die Firma Conmoto arbeitet mit international bekannten Designern wie Peter Maly, Carsten Gollnick oder Michael Sieger zusammen. Mit „Balance“ hat Peter Maly ein Modell mit einem Korpus im Querformat aus schwarzem, Pulver beschichtetem Stahl entworfen. Der Ethanolkamin ist sowohl als Solitär mit Edelstahl-Sockel erhältlich, kann aber auch mit den dazu gehörenden Möbelmodulen in Stahl oder Holz kombiniert in diese integriert werden. Dieses innenarchitektonische Kaminkonzept wurde von Maly mit „Balance kompakt“ durch ein speziell auf den kleineren Wohnraum abgestimmtes Modell erweitert. Der Designer Carsten Gollnick entwarf mit „Loungefire“ für Conmoto ein elegantes Sideboard in Mattschwarz oder weißem Hochglanzlack, in das eine runde, offene Feuerstelle eingebaut wurde. „Plaza“ von Michael Sieger gibt es als quadratische und rechteckige Form in zahlreichen Varianten. Das Modell lässt sich sowohl in den Raum stellen als auch gleich einem Bild im Rahmen an die Wand hängen.

Die Möglichkeit, das Flammenspiel wie ein Gemälde als elementarer Blickfang an der Wand zu platzieren, hat zahlreiche Hersteller zu raffinierten Designlösungen inspiriert. Blomus bietet mit „Chimo“ (Flöz Design) einen besonders elegant und dezent geschwungenen Kamin aus Edelstahl an. Er ist für die Wand in quadratischer wie rechteckiger Grundform und mit rundem Sichtfenster erhältlich. Unter dem Markennamen „Artepuro“ hat die Metallmanufaktur Weber aus Aachen mit „Fire & Flame“ ein geradliniges, auch mit Standfuß erhältliches Wand-Modell in ihrer Ethanolkamin-Kollektion. Zur Auswahl stehen vier Frontausführungen: aus gebürstetem Edelstahl, anthrazit- oder weiß lackiertem Stahl, aus Cortenstahl mit Rostpatina und als edle Sonderanfertigung mit reinem Blattgold belegt. Außerdem bietet „Artepuro“ mit dem für Wand- oder Tisch erhältlichen Kamin „Takibi“ für die Nomaden der Neuzeit ein zeitgenössisches Design (Entwurf: Michael Koenig), das die Strukturen von Geäst in ein Muster aus Metallstreifen in ein Geflecht linearer Strukturen übersetzt. Der Begriff „takibi“ stammt aus dem Japanischen und bedeutet Lagerfeuer.

Aus der Aachener Designschmiede von Sylvia und Lukas Redwitz stammen „Mazzetto“ und „Rondo“, zwei in bester handwerklicher Qualität wie Design außergewöhnliche Wand-Ethanolkamine. „Mazzetto“ lässt die Flammen vor einer Rostfläche mit unregelmäßigem Umriss tanzen, dessen Form vom Neobarock anmutenden, rankenartigen Ornament eines dekorativ vorgeblendeten Stahlgitters aufgegriffen wird. Der runde Kamin „Rondo“ in zweifarbigem, robust dunklem Metall erinnert an ein Bullauge.

Wer nach einer Materialalternative zum vorherrschenden Metalllook sucht, dem bietet „Muro“ von Conmoto eine minimalistische Feuerstelle mit oder ohne Glasschutz auf einem Sockel aus grauem, puristischem Glasfaserbeton. In seiner Kollektion „Grill and Garden“ hat „Radius Design“ mit „Uni Flame“ ein Modell im Sortiment, das sich ebenfalls gleichermaßen für draußen und drinnen eignet. Designer und Radius-Geschäftsführer Michael Rösing: „Uni Flame ist so konzipiert, dass es ihr Flammenspiel überall zeigen kann. Das Untergestell aus schwarzem Stahl lässt sich leicht transportieren.“ Ein Glaskubus schützt die Flammen vor Windstößen. Ist die Freiluftsaison im Garten oder auf der Terrasse vorbei, wird der Flammenzauber im Innenbereich fortgesetzt.

Neben seiner Feuermöbelkollektion aus edlen Hölzern bietet Schulte Design in Krefeld mit seinem neuen „Feuer-Laptop“ passend dazu nun auch einen kleinen, handlichen Ethanolkamin an, dessen Deckel sich wie bei einem flachen, tragbaren Computer aufklappen lässt. Eher wie ein streng stilisierter, gläserner Koffer im schwarzen Metallrahmen sieht „Travelmade“ von Conmoto aus. Er macht den Besitzer völlig unabhängig von einem festen Standort. Man packt ihn einfach an seinem Tragegriff und geht mit dem Feuer auf Reisen.

Bleibt die Qual der Wahl, ob man sich je nach Geschmack, vorhandenem Platz und Portemonnaie für einen Fake-Kamin mit echtem Flammenspiel an der Wand entscheidet oder ob man einer Variante den Vorzug gibt, die wie eine Skulptur frei im Raum steht oder das attraktive Flammenspiel auf einem Tisch oder an der Wand in Szene setzen will.

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