Zeitung Heute : Wo man zahlt ­ und nicht streikt

HOLGER SCHLÖSSER

Mediadesign Akademie bildet in Berlin Multimedia-Fachleute ausHOLGER SCHLÖSSERKein streikender Student in Sicht ­ Bildungsnotstand ist hier, in der Berliner Mediadesign Akademie, einer privaten Berufsausbildungsstätte für Kommunikation, Multimedia-Design und Grafik, offensichtlich kein Thema.Stattdessen drängten sich am vergangenen Freitag Studenten und Interessierte in den Räumen der Akademie in Alt-Moabit, um sich die Ergebnisse der vergangenen Kurse präsentieren zu lassen.Das Engagement der Teilnehmer erklärt sich nur zum Teil durch die Studiengebühren von mehr als 1000 Mark je Monat für die zweieinhalbjährige Ausbildung zum Mediadesigner.Angespornt werden sie von interessanten Aufgaben und der offiziellen Statistik, die besagt, daß 80 Prozent der Akademieabgänger einen Job in der Branche bekommen.Die Tatsache, daß die Ausbildungen in Berufe führen, denen die staatliche Anerkennung fehlt, trübt das Bild nicht."Die Branche erkennt uns an.Der Bedarf an Praktikanten aus unserer Akademie ist sehr groß, und die Integrationszahlen der Abgänger sprechen für sich", so Astrid Laukait, Kursbegleiterin an der Akademie.Der Senat habe die Ausbildung hier mit der in Berufsfachschulen gleichgesetzt.Die Multimedia-Präsentationen der Studenten können sich sehen lassen.Zum Beispiel das Point of Information System, das eine Gruppe für die Ostdeutsche Sparkassenakademie in Potsdam gestaltet hat.Mit Hilfe dieses Informationssystems sollen sich die angehenden Banker in Potsdam zurecht finden können.Über ein spezielles Terminal können übersichtlich aufbereitete Informationen über die Sparkassenakademie sowie das Kulturangebot in der brandenburgischen Stadt abgerufen werden ­ von der Idee bis zum Design ein Produkt der Studenten.Die Sparkasse war mit dem Ergebnis zufrieden, und Anfang nächsten Jahres wird das Projekt Realität.Vergleichbares kann die 23jährige Caroline Woköck noch nicht zeigen.Sie hat erst vor fünf Monaten die Ausbildung zum Mediadesigner begonnen.Computer hat sie in dieser Zeit noch nicht zu Gesicht bekommen.Mit Bleistift und Pinsel frischt sie erst einmal ihre künstlerischen Fertigkeiten auf."Wer nicht mit herkömmlichen Werkzeugen zeichnen kann, wird dies auch nicht auf dem Computer schaffen", begründet Petra Dünner, zuständig für Studienkoordination, die Kursinhalte.Wichtig sei es, daß die Studenten Lust am Experiment zeigten und mit verschiedenen Techniken wie Video, Sound oder Malerei umgehen könnten. Caroline Woköck bezeichnet sich selbst denn auch als "Computer-unerfahren".Wohin sie die Ausbildung führen wird, ob in einen Verlag oder in eine Werbeagentur, ist ihr noch nicht klar.Einzig "Lust am Gestalten" spürt sie, und diese Lust führte sie nach einigen erfolglosen Versuchen, Spanisch oder Kunstgeschichte zu studieren, an die Mediadesign-Akademie.Offensichlich die richtige Entscheidung, denn sie hat nicht nur die Auswahltests bestanden, sondern obendrein das einzige Stipendium bekommen, das pro Jahr angeboten wird.Ohne die finanzielle Unterstützung wäre es ihr kaum möglich gewesen, dem Trott der Uni zu entgehen.Dort störten sie vor allem die langen Semesterferien und die Laxheit, mit der viele Studenten das Studium absolvieren.In der Mediadesign Akademie sei alles viel komprimierter, wohl auch verschulter.Doch die Studenten engagierten sich in ihren Projekten.Und was ihre Berufsaussichten angeht, gibt sie sich optimistisch.Was man in der Akademie lerne, sei aktuell und zukunftsorientiert ­ alle Möglichkeiten ständen einem hier offen.

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