Zeitung Heute : Wohin mit dem Computerschrott?

CHRISTIAN ANDRESEN (AP)

Zunehmend hält die Wiederverwendung Einzug in die ComputerbrancheVON CHRISTIAN ANDRESEN (AP)Der Computerverkauf steigt und steigt und steigt: 1990 wurden zwei Millionen PC verkauft, vier Jahre später waren es schon 3,5 Millionen, im laufenden Jahr werden es wahrscheinlich 6,1 Millionen sein.Bereits nach vier Jahren haben die Rechner statistisch gesehen ihr Werk vollbracht.Und dann? Dann landen viele von ihnen auf dem Müll.Doch immer mehr halten alternative Konzepte der Abfallvermeidung Einzug auch in die Elektronikbranche.Die Menge an Computerschrott ist gewaltig.Allein für dieses Jahr rechnet der Fachverband Informationstechnik in Frankfurt am Main mit 200 000 bis 250 000 Tonnen.Der größte Teil davon wandert in den Müll und landet im Verbrennungsofen oder auf der Deponie.Wie groß dieser Anteil ist, weiß niemand genau.Nach Angaben des Fachverbandes ist es mehr als die Hälfte.Das Freiburger Öko-Institut, das sich unter anderem mit dem Verhältnis von Informationsgesellschaft und Umwelt beschäftigt, nennt allerdings eine sehr viel höhere Zahl: "Zirka 90 Prozent aller Geräte gehen in die normale Hausmüllentsorgung", sagt Volker Strubel.Viele Unternehmen geben ihre Rechner auch billig an Mitarbeiter ab, wenn sie von einer leistungsstärkeren Generation abgelöst werden.Einige spenden die Geräte für finanzschwache Einrichtungen, für Schulen und Vereine beispielsweise.Experten schätzen diese Anteile auf etwa zwei Drittel aller in Unternehmen eingesetzten Rechner.Ein beträchtlicher Teil geht auch nach Osteuropa, wie Öko-Institut-Mitarbeiter Strubel berichtet - oft deklariert als Wertstoff, aber nicht immer zur Weiterverwendung bestimmt."Es gibt praktisch keine Kontrolle, ob die Rechner dort wirklich eingesetzt werden oder ob die in irgendwelche Gruben gekippt und zugescharrt werden."Aber auch Strubel räumt ein, daß sich inzwischen zunehmend ein Branchenzweig herausbildet, der auf Weiterverwendung ganzer Geräte oder zumindest von Teilen davon setzt.Allerdings sei das noch immer ein ganz geringer Teil.Christoph Hecker vom Fachverband Informationstechnik schätzt ihn auf fünf bis zehn Prozent.Zu den Vorreitern in der Industrie gehört der Computerhersteller Siemens-Nixdorf.Er unterhält in Paderborn ein Recycling-Zentrum, das auch vom Freiburger Öko-Institut lobend erwähnt wird.Rund 70 Leute rüsten dort alte Rechner zwecks Wiederverkaufs um oder auf und zerlegen die anderen in ihre Bestandteile.Mit Hilfe von Datenbanken und der Materialnummern suchen sie nach wiederverwertbaren Bauteilen, die dann ins Ersatzteillager wandern.Erst wenn nichts mehr zu gebrauchen ist, kommen die Kunststoffteile - fein säuberlich nach ihrer Zusammensetzung getrennt - in die Schredderei.Von dort geht das Mahlgut an die Hersteller, die es mit neuem Material anreichern und wieder zur Produktion neuer Gehäuse einsetzen.Inzwischen wird bereits jeder dritte in Deutschland verkaufte Siemens-Nixdorf-Rechner dem Wiederverwertungskreislauf zugeführt, wie Recycling-Chef Peter Burgdorf berichtet.Zudem ist seit der Arbeitsaufnahme des Paderborner Zentrums im Jahre 1988 der Anteil des zu entsorgenden Materials enorm zugunsten der wiederverwerteten oder aufbereiteten Teile gesunken: 1988 wurden noch 65 Prozent als Müll entsorgt, 23 Prozent aufbereitet und zwölf Prozent wiederverwendet; im Geschäftsjahr 1996/97 wanderten nur noch zwölf Prozent in den Müll, 65 Prozent wurden aufbereitet und 23 Prozent kamen umgerüstet oder als Ersatzteil zum Wiedereinsatz.Wie es auf den Internet-Seiten des Unternehmens (

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