Zeitung Heute : Wohin mit meinen 3500 Büchern?

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Ich werde bald 80 und will meinen Erben das Leben einfacher machen. Einiges habe ich schon vorsortiert, allerdings gibt es etwa 3500 Bücher, 80 Ordner mit Zeitungsausschnitten, fast 20 Ordner Reisetagebücher, 16 Kästen Ansichtskarten, Hunderte Fotos…

Dass Sie die eigentlichen Familienerinnerungen für die Kinder vorsortiert haben, finde ich wirklich vorbildlich. Außer Ihnen hat ja wahrscheinlich niemand Überblick über das, was in Ihrer eindrucksvollen Sammlung wirklich so persönlich und wertvoll ist, dass es auch von der nächsten Generation aufgehoben werden sollte. Wahrscheinlich ist das für jeden Menschen, auch für Singles, die klügste Strategie. Wenn man sein Leben beizeiten auf die allerwichtigsten Erinnerungsstücke und Dokumente komprimiert, hat das nur Vorteile. Man findet die Dinge leichter, man reist mit leichtem Gepäck, wenn man aus Altersgründen doch umziehen muss, und man gibt den Dingen, die einem wirklich wichtig sind, eine reelle Chance zu überleben.

Es wäre sicher gut, wenn Sie für Ansichtskartensammlungen und Bücher beizeiten selber Interessenten finden. Sie müssen sich deshalb ja nicht gleich davon trennen. Nur schiene es mir vernünftig zu sein, den Kindern eine Liste mit handfesten Adressen von potenziellen Abnehmern zu hinterlassen, die mit Ihren Sammlungen wirklich gut umgehen. Wenn Sie Kontakt zu Archiven und Museen haben, die daran interessiert wären, umso besser. Auch da sollten Sie sich selbst die Zeit nehmen, dort Ihren späteren Nachlass vorzustellen, denn Sie kennen ihn am besten. Eine andere Möglichkeit wären Aushänge in einschlägigen Universitätsinstituten oder Kleinanzeigen in Stadtmagazinen. Oder aber Sie werten Ihre Unterlagen, zum Beispiel die Reisetagebücher, selber noch einmal so weit aus, dass Sie die Höhepunkte Ihrer Erlebnisse in komprimierter Form als kleines Buch oder schön geheftete Mappe vorlegen. Das wäre immerhin eine Investition in die Zukunft Ihrer eigenen Erinnerungen. Denn dann könnten Sie sicher sein, dass etwas davon in gut handhabbarer Form in den Bücherregalen Ihrer Kinder und Freunde auf Dauer an Sie erinnert.

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