Zeitung Heute : Working Boys

FRANK NOACK

Ständiges Auf und Ab: "Sex/Life in L.A." von Jochen HickVON FRANK NOACKZu den neuen Begriffen, die sich Soziologen in den letzten Jahren ausgedacht haben, gehört das Wort "Sexarbeiter".Es klingt vielleicht nicht sehr schön, sogar ziemlich unromantisch, aber bei näherem Hinsehen ist dieses Wort angemessen und längst überfällig.Neun solcher Sexarbeiter hat Jochen Hick für seinen Dokumentarfilm "Sex/Life in L.A." interviewt - alles ist da vertreten vom hochbezahlten Pornostar bis zum obdachlosen Stricher, von Männern, die nur für ihre Schönheit leben, bis zu dem Performance-Künstler Ron Athey, der sich zutätowieren und -piercen läßt und mit dem Rasiermesser an sich herumspielt (empfindsame Gemüter seien gewarnt).Verschönerungen und Verstümmelungen lassen sich schwer auseinanderhalten: einer der Männer schluckt Pillen, durch die seine Adern stärker hervortreten.Der soziale Status eines Sexarbeiters kann sich schnell ändern: Top-Model Tony Ward war kurzzeitig der Favorit von Madonna und durfte in ihrem Palast leben, um von einem Tag auf den nächsten verstoßen zu werden.Jochen Hick blickt ein wenig hinter die Fassade, doch bei Männern, die nur für ihren Körper leben, läßt sich das Private vom Öffentlichen kaum trennen.Außerdem laden die Hochglanzbilder des Films zum Schwärmen und nicht zum Nachdenken ein. Heute 18.15 Uhr (Atelier am Zoo), morgen 13 Uhr (Filmpalast), Montag 11 Uhr (Filmpalast).

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