Zeitung Heute : Worüber Anleger stolpern

Seit 2002 gibt es in Deutschland so genannte Knock-Out-Optionen – mit zahlreichen Facetten

Udo Rettberg

Der Markt für Hebelprodukte – darunter sind traditionelle Optionsscheine und so genannte Knockout-Optionsscheine zu verstehen – boomt seit vielen Jahren. Und dies, obwohl dieses Segment der Derivatemärkte eine nur geringe Transparenz aufweist. Knockout-Produkte gibt es in Deutschland seit Januar 2002 – inzwischen weist dieser Markt zahlreiche bunte Facetten auf. Dies liegt auch an der Vielzahl der Basiswerte (Aktien, Indizes, Rohstoffe, Devisen), auf die diese Instrumente begeben wurden, und zum anderen an den unterschiedlichen Bezeichnungen, über die so mancher Anleger stolpert.

Denn zum Leidwesen der Anleger haben sich die Banken nicht dazu durchringen können, einheitliche Bezeichnungen für die von ihnen emittierten Hebelprodukte zu wählen. Die Deutsche Bank vermarktet ihre Knockout-Hebelprodukte zum Beispiel unter dem Markennamen „Wave“. Dieser Begriff steht für „Warrants Alternative Vehicles“. Andere Anbieter bezeichnen ihre KO-Produkte als „Barrier“ oder „Turbos“.

Was sind Knockouts? Grundsätzlich gibt es auch hier – wie bei traditionellen Optionen und Optionsscheinen – zwei Kategorien, nämlich „Calls“ und „Puts“. Entscheidend für den Anleger: Knockout-Optionsscheine auf Aktien werden dann sofort wertlos, wenn der Kurs der Aktie die vom Emissionshaus festgesetzte Barriere während der Laufzeit erreicht. In diesem Fall spricht man von einem K.O. des Optionsrechts. Das Recht des Anlegers, von weiter steigenden oder fallenden Kursen zu profitieren, verfällt also in diesem Fall. Wenn man so will, erleidet dieses Recht mit Erreichen der Barriere einen „Knockout“.

Differenzbetrag

Die weitere Funktionsweise der Produkte lässt sich am einfachsten am Ende seiner Laufzeit darstellen: Die Anleger erhalten bei Fälligkeit jenen Geldbetrag zurück, der sich aus der Differenz zwischen dem aktuellen Stand der Aktie und dem von der Emissionsbank festgesetzten Basispreis (als Knockout-Betrag oder Barriere-Betrag bezeichnet) errechnet. Daher muss der Kurs der Aktie beim KO-Call zum Stichtag (dem Ende der Laufzeit) über dem Basispreis und im Falle des KO-Puts unter dem Basispreis liegen.

Die Vorteile von KO-Produkten liegen darin, dass der am Engagement in einer bestimmten Aktie interessierte Anleger nicht den Gesamtbetrag für den Kauf dieser Aktie einsetzen muss. Er bezahlt nur die Differenz zwischen dem aktuellen Kurs des Basiswertes und der festgesetzten Knockout-Barriere – zuzüglich eines Aufgelds. Der geringe Kapitaleinsatz führt bei diesen Produkten zu einer so genannten Hebelwirkung, da der Anleger mit geringem Einsatz den gesamten Nominalwert des zugrunde liegenden Basiswertes kontrolliert.

Höhere Gewinne

Darüber hinaus zeichnen sich diese Instrumente dadurch aus, dass die Anleger nahezu 1 : 1 an den Kursbewegungen der Aktie teilhaben. Durch die Hebelwirkung können Veränderungen im Aktienkurs daher überproportional genutzt werden. Mit anderen Worten: Wer KO-Produkte kauft, kann höhere Gewinne erzielen als wenn er ein direktes Engagement in der Aktie eingehen würde.

Doch ohne Chance kein Risiko. Die Teilnahme an einem Knockout-Produkt endet, wenn der Kurs der Aktie zu irgendeinem Zeitpunkt während der Laufzeit der Knockout-Barriere entspricht oder ihn unterschreitet (im Falle des Calls) beziehungsweise überschreitet (im Falle des Puts). Treffen diese Situationen ein, wird das Hebelprodukt mit sofortiger Wirkung wertlos.

Wie beliebt Knockout-Produkte bei den Anlegern sind, hat das Jahr 2003 gezeigt. Aus Statistiken der Euwax-Börse geht hervor, dass die Umsätze in diesen Produkten über das gesamte Jahr 2003 hinweg deutlich über denen der herkömmlichen Optionsscheine (Warrants) lagen. Im Zeitraum von April bis Juli 2003 erreichte das Umsatzniveau von KO-Scheinen sogar das Doppelte des Marktes für „normale“.

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