Zeitung Heute : Wowereit: Mentoren für Familien

„Problemkieze individueller betreuen“

Stefan JacobsD

Berlin - Mit gezielter Betreuung von Problemfamilien will Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) den weiteren Abstieg sozial schwacher Stadtteile stoppen. Angesichts der bisher oft vergeblichen Integrationsbemühungen „müssen wir die Sache viel stärker individuell betrachten“, sagte Wowereit am Donnerstag dem Tagesspiegel. „Statt pauschaler Lösungen müssen wir schauen, welche Unterstützung Familie A braucht und welche Familie B. Nur durch die Weitergabe von Transferleistungen werden die Probleme nicht zu lösen sein.“

Einen denkbaren Ausweg sieht Wowereit im Einsatz von „Mentoren, die mehrere Familien betreuen – oder vielleicht auch nur eine“. Eine solche Betreuung wäre zwar sehr personalintensiv, aber nicht zwangsläufig teurer als die jetzige Integrationspolitik. Die koste ebenfalls sehr viel Geld – bei beschränktem Erfolg. Die gezielte Familienbetreuung kann aus Wowereits Sicht teilweise ehrenamtlich gelingen. Als ein Vorbild nannte er die Roland-Berger-Stiftung, die benachteiligte Kinder mit Stipendien fördert. Über ein Baukastensystem wird den Stipendiaten nach ihrem Bedarf geholfen, etwa durch Persönlichkeitstraining, Nachhilfeunterricht oder Geld für Lernmittel.

Am Mittwoch hatte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) eine Studie präsentiert, nach der die sozial schwächsten Kieze weiter zurückfallen. Zeitgleich stellte Integrationssenatorin Carola Bluhm (Linke) eigene Initiativen für Langzeitarbeitslose und Migranten vor. Wowereit sieht in diesem Nebeneinander kein Problem: Das Thema Integration „zieht sich durch die Arbeit aller Ressorts“ und werde abgestimmt. Eine gesonderte, beim Regierungschef angesiedelte Arbeitsgruppe wie in Hamburg sei nicht notwendig. Stefan Jacobs

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