Zeitung Heute : "Wunderkind": Opern werden nicht von Engeln geschrieben

Susanna Nieder

Gehen eure Eltern manchmal in die Oper? Vielleicht haben sie euch sogar schon mal mitgenommen. Dann wisst ihr, dass so ein Opernbesuch etwas ziemlich Feierliches ist. Man bezahlt eine Menge Geld für die Eintrittskarte und macht sich fein, denn in die Oper schlurft niemand so, wie er vom Spielplatz kommt. Dann sitzt man vor einer riesigen Bühne und hört Menschen zu, die lauter singen können als ein Orchester mit 50 Musikinstrumenten. Man wird ganz ehrfürchtig und kann sich kaum vorstellen, dass Menschen etwas so Wunderbares komponieren können. Dabei waren sogar die größten Komponisten alles andere als Engel. Wolfgang Amadeus Mozart zum Beispiel. Er wurde vor fast 250 Jahren geboren und begann schon als Knirps zu komponieren und Klavier zu spielen. Niemand konnte sich erklären, wie ein Kind von drei oder vier Jahren so etwas zustande brachte. Als er größer wurde, schrieb er Musik, bei der man heute noch Gänsehaut bekommt. Aber war er deshalb artig und tat das, was seine Eltern von ihm wollten? Nein. Er kam ständig zu spät, gab mehr Geld aus, als er hatte und trieb seinen Vater mit dem Unfug, den er anstellte, fast zur Verzweiflung.Eine der großartigsten Opern, die Mozart geschrieben hat, heißt "Die Zauberflöte". Darin kommen allerhand wundersame Gestalten vor. Da wäre einmal Tamino, der die Königstochter Pamina heiraten will. Dann Sarastro, Paminas Vater, und die Königin der Nacht, Paminas böse Mutter. Und Papageno, ein Mensch mit einem Federkleid wie ein Vogel, der es am liebsten gemütlich hat und gar nicht scharf auf Abenteuer ist. Aber Abenteuer muss er bestehen, denn er ist ein Freund von Tamino, und der hat seine liebe Not, die Königstochter zu gewinnen. Damit ihm und Papageno nichts passiert, bekommen die beiden ein Glockenspiel und eine Zauberflöte geschenkt. Sobald sie darauf spielen, werden wilde Tiere zahm, und Feinde verhalten sich ruhig.

Mozart hat zwar die Musik geschrieben, aber er hat sich diese Geschichte nicht alleine ausgedacht. Eine Oper, ein Theaterstück oder einen Film denkt sich selten ein Mensch ganz alleine aus. Häufiger sitzen mehrere zusammen und überlegen gemeinsam. Das macht viel mehr Spass, und meistens kommt auch mehr dabei heraus. Mozart schrieb "Die Zauberflöte" zusammen mit seinem Freund, dem Sänger und Theaterdirektor Emanuel Schikaneder. Und dabei ging es bestimmt nicht so feierlich zu wie heute in der Oper. Sondern eher so wie auf dem Spielplatz.

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