Zeitung Heute : "You got mail!": Fluch und Segen des Internets

Rita Neubauer

132 Milliarden E-Mails wurden schätzungsweise im vergangenen Jahr weltweit verschickt. Mindestens ein Prozent landete in meiner Mail-Box. Ok, das ist übertrieben. Aber manchmal sieht es fast so aus. Vor allem, wenn ich, wie neulich, drei Tage lang meinen Computer ignoriere und dann 187 elektronische Botschaften vorfinde. E-Mail, der Segen des Internets, wird immer mehr zu seinem Fluch. Zuerst war es ja ganz nett, mit der verloren geglaubten Freundin in Hamburg zu korrespondieren - zu jeder Tages- und Nachtzeit und von immer mehr Orten der Welt. Kein kompliziertes Austarieren der Zeitverschiebung, kein umständliches Briefeschreiben und vor allem eine Korrespondenz für fast umsonst. Kein Wunder, dass nach einer Umfrage des Pew-Internet Projects 56 Prozent der Nutzer erklärten, dass E-Mail die Kontakte mit der Familie fördert.

Vor allen in den USA scheint die Kommunikation keine Grenzen zu kennen. Im Schnitt verfügt hier jeder Internetnutzer über drei bis vier E-Mail-Adressen. Eine für die Arbeit, der Rest fürs Private, die Freunde und die unterschiedlichsten Identitäten in den Chat Rooms.

Doch irgendwann lief es aus dem Ruder. Die E-Mails von Freunden, Verwandten und Kollegen machen nun nur noch einen minimalen Prozentsatz der täglichen Flut aus, sind aber weiterhin die Highlights, wenn mein Computer fröhlich verkündet: You got mail! Der große Wust an Post gliedert sich jedoch in vier Kategorien: notwendig, nützlich, unnütz und absolut unerwünscht.

Letzteres, auch Spam genannt, wird meist sofort mit einem Klick gekillt. Erst recht, wenn es sich um das Angebot dubioser Firmen handelt. Was den Titel "Dringend" trägt, fällt dem gleichen dringenden Killerinstinkt zum Opfer. Sorry.

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