Zeitung Heute : Zab

Winzig, knusprig, würzig

Bernd Matthies

Was geht ab in der Berliner Gastronomie des neuen Jahres? Gehen Sie einfach mal an die Ecke Niebuhr-/Leibnizstraße in Charlottenburg – da wird es geradezu symbolhaft zusammengefasst. Wo früher „Mario“ lange Zeit zu nicht ganz niedrigen Preisen edle italienische Küche bot, wird jetzt gehobene „Thai Cuisine“ offeriert. Und ein Fenster weiter, innen mit dem Thai-Restaurant verbunden, offeriert man unter dem alten Namen „Mario“ Nudeln und andere italienische Spezialitäten zu sehr gedämpften Preisen. Was lernen wir daraus? Asien verdrängt Italien, das aber durchaus noch weitermachen darf, wenn auch auf einem etwas bescheideneren Niveau.

„Zab“ heißt das neue Thai-Restaurant kurz und einprägsam; wer hineingeht, stellt schnell fest, dass zumindest ein Fehler der vielen anderen Betriebe dieses Genres vermieden wird. Das Personal nämlich verströmt nicht nur formale, von Sprachproblemen überlagerte Freundlichkeit, sondern kümmert sich um seine Gäste, ist aufmerksam und schafft es, einen präzisen Servierrhythmus einzuhalten, während in vielen anderen hoch gelobten Betrieben die Sachen einfach so hingeknallt werden, wie sie gerade in der Küche fertig geworden sind. Die Karte überrascht mit einigen auffällig hohen Preisen bis knapp unter 30 Euro, bietet dafür aber auch Spezielles und teuer Eingekauftes aus dem Wasser wie Taschenkrebse, Steinbutt oder Loup de Mer. Achtung, bedeutet das, wir wenden uns hier an anspruchsvollere Gäste.

Die dann durchaus angenehm beköstigt werden. Das ist schon beim kleinen Vorspeisenteller zu erkennen, dessen Inhalt überdurchschnittlich fein schmeckt (12,50 Euro). Dünn der Teig, kräftig die Korianderwürze in den winzigen Frühlingsrollen, knusprig die gebackenen Wan-Tan, auch die kleinen Häppchen mit Geflügelfüllung und die angenehm knusprigen, getrockneten Shiitake-Scheiben waren weit entfernt von der Fadheit der üblichen Vorspeisen in derartigen Restaurants. Schöne aromatische Rundung fanden wir auch in den Suppen, die traditionell auf Kokosmilch basieren und hier die Thai-Aromen – Zitronengras, Blätter von Kaffir-Limonen – sehr prägnant herausstellen, gleichermaßen mit schön saftigen Hühnerbrustscheiben oder in der vegetarischen Version mit frischer Kokosnuss (vier Euro). Die ebenso traditionelle Schärfe freilich fehlt völlig. Das hat uns nicht gestört, Chili-Freaks allerdings sollten ihre Neigung beim Bestellen anmelden, denn ihnen kann sicher geholfen werden.

Bei der gebratenen Ente nach Art des Hauses waren es wieder die prägnant herausgestellten frischen Gemüse vom hinreißend knackigen Bambus bis zu Lauch und Zuckerschoten. Die Ente selbst war ebenfalls kompetent zubereitet, nicht übermäßig knuspernd, aber schön würzig und ohne jegliches Gezadder. Problematischer fanden wir die teure Krabbe, denn deren Inhalt kann, was Saft und Biss angeht, mit guten Garnelen oder gar Hummer nicht mithalten. Wir suchten uns die durchaus großzügig dosierten Teile aus dem würzigen, ebenfalls von Zitronengras dominierten Gemüse heraus und pulten intensiv dran herum. Das schmeckte besser, so lange wir die recht salzige Sojasauce auf Abstand hielten. Eine ganz interessante, kompetent gemachte Angelegenheit, die ich freilich für 28,50 nicht unbedingt weiter empfehlen würde.

Der Vorzug der fehlenden Schärfe liegt auf der Hand: Wir können Wein zum Essen trinken. Da man sich hier den Vorrat mit der italienischen Pastabar teilt, gibt es auch überwiegend italienische Weine, aber nicht nur: Der vortreffliche Weißburgunder von Reinhold und Cornelia Schneider (Kaiserstuhl) für 26,50 machte seine Sache hervorragend. Für die offenen Weine, die aus sehr großen Flaschen kommen, würde ich meine Hand weniger gern ins Feuer legen. Aber generell ist dies ein interessanter Zuwachs für die Berliner Thai-Szene, die qualitativ sonst ja nicht wirklich von der Stelle kommt.

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