Zeitung Heute : Zahl der Surferinnen verdoppelt

Die Männerdomäne Internet wird jetzt offenbar von den Damen erobert. Nach einer ARD/ZDF-Online-Studie gibt es einen deutlichen Zuwachs an "Frauen im Netz": Derzeit sind 35 Prozent der Onlineanwender weiblich, acht Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren. Seit 1998 hat sich die Zahl der Internetnutzerinnen mit jetzt 3,92 Millionen sogar verdoppelt.

Allerdings greifen die Geschlechter zum Teil aus verschiedenen Gründen auf das Netz zu, wie die Zeitschrift "Media Perspektiven" berichtet. Als Grund dafür vermuten Experten, dass Männer zumeist aktiver im Berufsleben stehen als Frauen. Schließlich ergaben Umfragen, dass sich insgesamt jeder Zweite einen Internetzugang einrichtet, weil er ihn beruflich oder für seine Aus- und Weiterbildung benötigt.

Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei der Nutzung des Internets gibt es auch im Alter. Während knapp die Hälfte aller Frauen mit Online-Erfahrungen unter 30 Jahre alt ist, sind bei den Männern nur ein Drittel in dieser Altersklasse. Besonders stark sind weibliche Anwender unter den 20- bis 29-jährigen (32 Prozent) vertreten. Dieser Altersgruppe gehören wiederum lediglich 23 Prozent der "Männer im Netz" an.

Der Bildungsgrad der "Onliner" hat der Studie zufolge insgesamt etwas abgenommen. Der Anteil der Hochschulabsolventen ist in den vergangenen zwei Jahren von 40 Prozent auf ein Drittel gesunken. Dennoch bilden User mit abgeschlossenem Studium die größte Gruppe im Netz. Dies treffe vor allem auf die Männer zu, wissen die Medienexperten. Dagegen sind bei den Frauen mit etwa 30 Prozent die Abschlüsse Mittlerer Reife sowie Fach- und Hochschulabschlüsse nahezu gleichermaßen repräsentiert.

Infos statt Entertainment

Grund zur Anschaffung des Internetanschlusses ist sowohl für Frauen als auch für Männer der schnelle und komfortable Zugang zu Informationen. Die Unterhaltung spielt eher eine nachrangige Rolle, fand die ARD/ZDF-Arbeitsgruppe Multimedia heraus. Während Frauen zumeist einen Anschluss für Ausbildung und Beruf benötigen, überwiegt bei den Männern das technische Interesse.

In Deutschland haben Onlinemedien insgesamt an Attraktivität gewonnen, wie aus der ARD/ZDF-Online-Studie weiter hervorgeht. Die Zahl der Nutzer stieg seit 1997 von 4,1 auf 11,2 Millionen. Mit einem Anteil von 17,7 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung über 14 Jahre stellt damit Deutschland einen der größten Onlinemärkte in Europa dar, wo die durchschnittliche Internetverbreitung bei zwölf Prozent liegt. Der Zuwachs ist vor allem auf die privaten Nutzer zurückzuführen, die inzwischen die größte Gruppe stellen. 72 Prozent der Onlineanwender verfügen zu Hause über einen Zugang ins Netz.

Trotz der verstärkten Akzeptanz sind Onlineangebote nach Ansicht der ARD/ZDF-Arbeitsgruppe Multimedia bezogen auf die Gesamtheit der bundesdeutschen Bevölkerung noch keine ernsthafte Konkurrenz für die klassischen elektronischen Medien. Einer täglichen Fernsehnutzung von 201 Minuten stehe eine PC-Nutzung von sieben Minuten gegenüber. Auch hätten nur 28 Prozent der "Surfer" angegeben, auf Grund des Internets weniger fernzusehen.

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