Zeitung Heute : Zahlenspiele für Europa

Professor der Freien Universität plant eine Mathematik-Internetseite für den Kontinent

Sven Lebort
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Formeln und Zahlen: In der US-Filmkomödie „A Serious Man“ schreibt Physikprofessor Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) im Traum damit...

Auf der Beliebtheitsskala bei Schülern und Studierenden rangiert die Mathematik nach wie vor relativ weit unten. Die Lehre von den Zahlen, Mengen und Figuren gilt vielen als zu abstrakt, unzugänglich und wenig lebensnah – trotz gegenteiliger Beteuerungen der Mathematiker und trotz der guten Berufsaussichten, die auf diesem Feld bestehen. Dass die Disziplin ein unverdientes Imageproblem hat, erkannten die Mathematiker spätestens in den 1990er Jahren. „Wir sollten der Öffentlichkeit klarmachen, was sie an diesem Fach hat“, lautete eine der Folgerungen aus dieser Erkenntnis, sagt Ehrhard Behrends, Professor für Funktionalanalysis und Wahrscheinlichkeitstheorie an der Freien Universität.

Behrends beließ es nicht bei der Einsicht, er machte sich auch an die Verbesserung der Lage. Mittlerweile ist der Professor zu einem der engagiertesten Werber für sein Fach geworden: Mit einer Kolumne in einer überregionalen Tageszeitung, der vielfach beachteten Internetseite „mathematik.de“ und schließlich der von ihm für das Deutsche Technikmuseum Berlin konzipierten großen Ausstellung „mathema“ von November 2008 bis Juli 2009 sorgte er mit dafür, dass Deutschland mittlerweile europaweit als Vorreiter bei der Popularisierung von Mathematik gilt. Da war es nur konsequent, dass die Europäische Mathematiker-Gesellschaft (EMS) den Berliner kürzlich zum Vorsitzenden ihres RPAKomitees machte: RPA steht für „Raising the Public Awareness“, also die „Erhöhung der öffentlichen Aufmerksamkeit“ für die Mathematik.

Aufbauend auf den guten Erfahrungen, die Behrends mit der Mathematik-Seite machte, plant er nun ein ähnliches, aber größeres Projekt für ganz Europa: „mathematics-in-europe.eu“ lautet der Name und zugleich die Internetadresse des Vorhabens.

Die Seite soll sich an Oberschüler ebenso wenden wie an Studierende, berufstätige Mathematiker und interessierte Laien. Leitsprache wird Englisch sein, doch um der europäischen Sprachenvielfalt Rechnung zu tragen, sollen wichtige Artikel und das Menüsystem auch in anderen Sprachen erscheinen.

Ein Schwerpunkt der neuen Seite wird auf der Hilfe für all jene liegen, die ein mathematisches Problem nicht knacken können, sei es im Oberschüleralltag oder im Studium. Auch Mathematik zum Selbststudium will Behrends anbieten, für all jene, denen etwa die Schule „nicht genug zu beißen gibt“, wie er sagt. Neben didaktischen Hilfen, die auch Lehrer nutzen können, soll „mathematics-in-europe.eu“ ein internationales Lexikon anbieten, das gängige Fachbegriffe in den wichtigsten europäischen Sprachen ausweist.

So gerüstet, lassen sich dann die ebenfalls geplanten Wettbewerbe auf der Seite angehen: von eher unterhaltsamen Aufgaben wie dem mathematischen Adventskalender, den das Forschungszentrum „Matheon“ jährlich anbietet, bis zu ernsthaften Wettbewerben für ambitionierte Schüler oder fortgeschrittene Studierende, bei denen sich diese auf europäischem Niveau mit anderen Mathe-Assen messen können.

Einen Einblick in den Lebensalltag von Berufsmathematikern bietet eine weitere Seitenrubrik, auf der zunächst ganz allgemein die vielfältigen Berufsfelder der Zahlenwissenschaftler gezeigt werden und Mathematiker aus ihrem Berufsalltag plaudern. „Kaum jemand weiß doch, was ein Aktuar bei einer Versicherung tut oder womit sich ein Finanzmathematiker beschäftigt“, sagt Ehrhard Behrends, „nach dem Besuch unserer Seite weiß er es dann!“. Selbstverständlich werden aktuelle Informationen aus der Forschung und den Hochschulen nicht fehlen, und natürlich haben Behrends und sein Webteam auch an Diskussionsforen und einen Blog gedacht – Elemente, ohne die heute kaum noch eine Internetseite auskommt.

Die Finanzierung ist zunächst durch die Unterstützung der Münchener Rück gesichert: Das Versicherungsunternehmen, das schon bei der Internetseite „mathematik.de“ als Sponsor auftritt, schießt einen fünfstelligen Betrag pro Jahr zu. Angesichts der ambitionierten Pläne für die Seite hofft Ehrhard Behrends allerdings darauf, dass nach einer gewissen Zeit weitere Unterstützer hinzukommen. Das Engagement sei schließlich nicht selbstlos: „Versicherungen und viele andere Branchen sind stets auf gute Mathematiker angewiesen, investieren also damit auch in den eigenen Nachwuchs.“

Der Starttermin der neuen Internetseite ist für die Sommermonate geplant. Um die grafische Darstellung und die technische Umsetzung kümmern sich externe Firmen, teilweise auch Ausgründungen der Freien Universität. Sein eigenes Team werde in jedem Fall mit den Kernaufgaben der neuen Seite betraut sein, sagt Mathematiker Ehrhard Behrends. Der Wissenschaftler möchte die Hauptmannschaft um sich versammelt wissen.

Weiteres im Internet

www.mathematics-in-europe.eu

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