Zeitung Heute : Zahlreiche Kompromisse bei günstigem Preis

MAURICE SHAHD

"Mit unserem Spezialtarif wollen wir auch sozial Schwächeren die Möglichkeit bieten, das Internet zu nutzen", erklärt Fred Detroy, Vorstandsmitglied der BusinessOnline AG.Der bundesweit agierende Provider mit Sitz in Berlin bietet Schülern, Studierenden, Auszubildenen sowie Wehr- oder Ersatzdienstleistenden einen preislich ermäßigten Zugang zum Internet, der unter dem Namen Power-Online vertrieben wird.Statt der bereits günstigen 25 Mark für den zeitlich unbegrenzten Internet-Zugang zahlen sie nur 20 Mark im Monat.Andere sozial benachteiligte Gruppen wie Arbeitslose oder Rentner sind im Prospekt des Providers nicht erwähnt."Privatkunden sind für uns ein ausgezeichnetes Marketing-Instrument, da sie uns weiterempfehlen.Besonders Studenten sind für uns interessant, da sich viele von ihnen nach dem Studium selbständig machen oder ein Unternehmen gründen", erläutert Mathias Goldbach, Vorstandsvorsitzender der BusinessOnline AG.Das Unternehmen kooperiere daher auch mit dem Fachbereich Betriebswirtschaftslehre der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW).Ausgewählte Studenten können bei Business-Online ein sechsmonatiges Praktikum absolvieren und dabei ihre Diplomarbeit zu einem praxisnahen Thema schreiben.Hier bietet sich natürlich vor allem das Thema Internet an.



Hauptzielgruppe des Unternehmens sind jedoch Geschäftskunden, die mit günstigen Komplettangeboten und Pauschaltarifen den Einstieg ins Internet finden sollen."Wird das Geschäft anspruchsvoller und erfordert es auch kompliziertere technische Lösungen, wird auch die Tarifstruktur differenzierter", erläutert Goldbach.Dann hätten aber auch die Kunden ihre Kenntnisse erweitert und würden besser wissen, was sie benötigen.BusinessOnline ist seit 1994 als Dienstleister für Kommunikationslösungen im Internet-, Intranet- und Netzwerkbereich tätig.Zur Zeit verfügt das Unternehmen über 30 regionale Zugangsknoten, die bis zum Jahresende auf 70 Knoten erweitert werden sollen.Neben dem Firmensitz Berlin existieren Niederlassungen in Hamburg, Mannheim und Dresden."Unser Ziel ist es, mit zehn Niederlassungen das gesamte Bundesgebiet mit unseren Leistungen versorgen zu können", beschreibt Goldbach die weiteren Pläne.



Möglich wurde das rasante Wachstum durch den Einstieg der britischen Investmentgruppe 3i Group, die einen größeren Anteil des Eigenkapitals übernommen hat, aber nicht die Mehrheit hält.Das frische Kapital soll in erster Linie für den Aufbau neuer Einwahlknoten im In- und Ausland sowie für die Verstärkung der Marketing- und Vertriebsaktivitäten genutzt werden.Die 3i Group stellt Risikokapital unter anderem für Existenzgründer und stark wachsende Unternehmen zur Verfügung.Das Portfolio der 3i Group in Deutschland besteht zur Zeit aus 88 Beteiligungen mit einem Buchwert von mehr als 386 Millionen Mark.Darunter sind Unternehmen wie die Loewe Opta GmbH, die auf der diesjährigen CeBIT Home mit einem Multimedia-Fernsehgerät für Aufsehen sorgte und die Berliner Teles AG, die sehr erfolgreich in der ISDN-Branche agiert.Mittelfristig plant die BusinessOnline AG nach Angaben ihres Vorstandsvorsitzenden Goldbach den Gang an die Börse.



Im Test zeigt sich BusinessOnline als der Provider mit den zwei Seiten.Ein günstiger Preis steht einem mäßigem Service gegenüber.Die Einrichtung des Zugangs verlief zwar ohne Probleme, eine Installationsanleitung wurde aber nicht mitgeliefert.Die bereitgestellte Software bestand aus einem veralteten Internet Explorer der Version 3.02, gespeichert auf Disketten.Auf der Homepage von PowerOnline finden sich nur Preisangaben und die Möglichkeit zur Anmeldung.Weitere Informationen oder Service-Angebote sind nicht vorhanden.Ein Anruf bei der Hotline kostet bundesweit 48 Pfennig pro Minute.Allerdings ist es nicht ganz leicht, einen Ansprechpartner zu finden.Beim Anruf des Testers waren "die Herren von der Technik" gerade in einer wichtigen Sitzung.In einer Stunde sei wieder jemand zu erreichen.Im Geschwindigkeitstest zeigten sich durchwachsene Ergebnisse von schnell bis langsam.Beim Download der 486-Kilobyte-Testdatei wurde analog eine maximale Übertragungsrate in Höhe von 4,3 Kilobyte pro Sekunde erreicht.Bei einem anderen Versuch kam die Verbindung allerdings nicht über 2,1 Kilobyte hinaus.Im Durchschnitt lag die maximale Übertragungsrate analog bei 3,4 Kilobyte.Bei der Übertragung per ISDN zeigte der Provider große Schwächen.Es wurde lediglich eine maximale Download-Geschwindigkeit in Höhe von 3,8 Kilobyte pro Sekunde erreicht, das durchschnittliche Maximum lag bei 3,2 Kilobyte.



Der Provider BusinessOnline bietet privaten Kunden einen preiswerten Internet-Zugang, bei dem allerdings zahlreiche Kompromisse zu machen sind.Für den Internet-Neuling sind keinerlei Einstiegshilfen vorgesehen und weder die Hotline noch die Homepage des Providers können überzeugen.Auch die Geschwindigkeit des Zugangs läßt - besonders per ISDN - zu wünschen übrig.Zudem handelt es sich um einen reinen Internet-Anschluß, Speicherplatz für die private Homepage ist nicht im Preis enthalten.Der Provider kommt daher bei der Bewertung über ein "ausreichend" nicht hinaus.

Interpol wird aktiv

Die internationale Polizeiorganisation Interpol will im Kampf gegen Kinderpornografie im Internet eine Weltregierungskonferenz zustande bringen.Wie der Interpol-Generalsekretär, Raymond Kendall, erklärte, steht Interpol derzeit mit verschiedenen Ländern in Kontakt, um einen Austragungsort für die bis Ende 1999 geplante Konferenz zu finden.

"Im Kampf gegen Kinderpornos im Internet arbeiten wir derzeit in einem rechtlichen Niemandsland", sagte Kendall nach einem Gespräch mit Vertretern des Bonner und des bayerischen Innenministeriums sowie von Bundes- und Landeskriminalämtern und Europol.

Der Leiter der Polizeiabteilung im Bundesinnenministerium, Jürgen Storbeck, verlangte eine internationale Klärung der Zuständigkeiten und eine Angleichung der Rechtslage.In einigen Ländern sei die Verbreitung von Kinderpornografie nicht strafbar, so daß eine Zusammenarbeit mit diesen Staaten kaum möglich sei.Auch die deutsche Strafprozeßordnung, die aus dem vorigen Jahrhundert stamme, eigne sich nicht für die Bekämpfung von Internet-Kriminalität.Der bayerische Innenstaatssekretär Hermann Regensburger wies darauf hin, daß Bayern das einzige Bundesland sei, das verdachtsunabhängige Recherchen im Internet durchführe.Diese virtuellen Streifenfahrten hätten im vergangenen Jahr zu 759 Strafanzeigen geführt.Aufgrund dieser Erfolgsstatistik erkläre Bayern sich bereit, bis zur Schaffung einer bundesweiten zentralen Internet-Fahndungsstelle diese Funktion wahrzunehmen.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar