Zeitung Heute : Zeichnen, zeichnen, zeichnen

LISA DIEDRICH

Zvi Hecker stellt im Deutschen Architektur Zentrum ausLISA DIEDRICHBizarre Berge aus groben Kohlestrichen bedecken ein großes Papier, braune und gelbe Pastellkreide füllt die Umrisse aus.Irgendetwas lugt darunter hervor.Die feinen Linien einer technischen Zeichnung lassen sich ausmachen, Treppenstufen, Korridore, Maßlinien."Berliner Berge" nannte der israelische Architekt Zvi Hecker diese Arbeit.Er entwickelte sie aus seinem Entwurf für die jüdische Heinz-Galinski-Grundschule in Berlin - und als Leitmotiv für seine Architektur überhaupt.Denn "Architektur ist Landschaft", sagt Hecker.Genauso heißt die Ausstellung, die derzeit im Deutschen Architektur Zentrum (DAZ) zu sehen ist. Als Student zeichnete Hecker arabische Bergdörfer, architektonische Ensembles, die gleichsam aus ihrer Topographie herauswachsen.Seine Bauten in Israel zeigen deutlich ihre Verbundenheit mit der Landschaft, oder besser: mit der Stadtlandschaft.So schiebt sich Heckers Spiralhaus in Ramat-Gan (1986-1990) mit seinen versetzten Wohnebenen und Treppenschnecken aus den steilen Straßen des Tel Aviver Vororts - ein Gipfel des städtischen Chaos.Über seine 1995 fertiggestellte Galinski-Schule sagt Hecker: "Die Schule ist eine Stadt innerhalb der Stadt.Die Wände der Schule beherbergen zwar die Schule, aber sie fügen sich auch zu Gehwegen, Durchgängen und Sackgassen." Oder, mit den Worten von Andreas Gottlieb Hempel, Präsident des Bundes Deutscher Architekten: "Architektur ist die künstlichste aller Landschaften, sie ist komplett von Menschen gemacht." Machen, das bedeutet für Zvi Hecker zeichnen, zeichnen, zeichnen: mit Buntstift und Kreide in die komplizierten strahlenförmigen Grundrisse, um sie verständlich zu machen.Dann bauen, Modell um Modell, um der Zeichnung zu entkommen, um Körper und Räume in jedem Arbeitsstadium sichtbar zu machen.Edelstahl und Teakholz braucht Hecker nicht.Seine Modelle sind expressiv und roh: eine Grundplatte aus Styropor, dicke grüne Farbe, Gebäudeteile aus Finnpappe, weißem und grauem Karton, Balsaholz.Allein zur Galinski-Schule zeigt das DAZ über zwanzig Modelle und viele virtuose Zeichnungen - ein wahres Erlebnis in einer Zeit, da Architekten ihre kühlen Kreationen am Computer entwerfen und mit ihren aalglatten Modellen nicht mehr arbeiten, sondern aquirieren. Deutsches Architektur Zentrum, Köpenicker Straße 48/49, Dienstag bis Sonnabend 10 - 18 Uhr, bis zum 17.Januar 1998.

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