ZEICHNUNGENDas „Amalfi-Skizzenbuch“ von Carl Blechen : Die Sonne des Südens

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Vor 19 Jahren war die Retrospektive des Berliner Malers der Romantik, Carl Blechen, das erste Gemeinschaftsunternehmen der gerade sich wiedervereinigenden Staatlichen Museen aus Ost und West. Schon damals waren 21 Blätter des Skizzenbuches zu bewundern, das Blechen auf seiner im Herbst 1828 begonnenen Reise in den Süden Italiens angelegt hatte.

Nun wird erstmals das ganze „Amalfi-Skizzenbuch“ in der Alten Nationalgalerie gezeigt, wo die Gemälde des 1840 verstorbenen Künstlers zu sehen sind. Die 1829 entstandenen insgesamt 66 Bleistift-, Feder-, Aquarell- und Sepiazeichnungen zählen zu den herausragenden Leistungen der deutschen Romantik und weisen bereits über sie hinaus. Denn Blechen hatte neben dem Sinn für malerische Kompositionen zugleich ein waches Auge für die nüchterne Gegenständlichkeit seiner Motive. In Amalfi interessierte er sich insbesondere für die wasserbetriebenen Fabriken im Mühltal, in denen Papier hergestellt, aber auch Eisen bearbeitet wurde. Wanderungen führten ihn zu den umliegenden Orten, etwa in das hoch gelegene Ravello, das er aber nicht mit dem berühmten Ausblick aufs Mittelmeer wiedergibt, sondern mit einem prosaischen Holzlattenbündel am Rande des kargen Marktplatzes. Die Kirche von Amalfi mit ihrer festlichen Freitreppe hingegen hat Blechen nicht zum Zeichnen angeregt, ihm war alles Touristische, das es zu seiner Zeit bereits gab, fremd. Sonnenlicht und Schatten, wie sie im italienischen Süden in hartem Kontrast zu sehen sind, erregten weit stärker die Aufmerksamkeit des Malers aus dem nordischen Brandenburg. Bernhard Schulz

Alte Nationalgalerie, Fr 29.1. bis So 11.4.,

Di-So 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr, 8 €, erm. 4 €

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