Zeitung Heute : Zeit auf Porzellan aus Meißen Kimono im Museum Die Lippen der Mae West Knisternde Spannung

Eine Armbanduhr verbindet sächsische handwerkliche Traditionen auf hohem Niveau Zeughausmesse für Angewandte Kunst Kosmetiketui erinnert an die Hollywooddiva Die neuen Brettspiele zielen eher auf ein erwachsenes Publikum, aber Kinder können mithalten

Thomas Magenheim-Hörmann

Für die einen ist die Technik im Innern entscheidend, die anderen schauen lieber auf das äußere Erscheinungsbild der Uhr. Zugegeben, für die meisten Menschen dürfte das Aussehen der Uhr mit entscheidend sein, denn mit einer wertvollen Uhr gibt man auch ein Statement ab. Handgearbeitete Uhren sind natürlich ein besonderer Luxus, und immer wieder gibt es Interessantes zu entdecken.

So hat das Unternehmen Glashütte Original in seiner Uhr „Senator Meißen“ gleich zwei sächsische Traditionen in einem wertvollen Stück vereint. Zur uhrmacherischen Glanzleistung der Uhr kommt ein Zifferblatt aus Meißener Porzellan, versehen mit römischen Ziffern hinzu.

Reinweißes Porzellan mit glänzender Oberfläche dient als Fond des Zifferblattes. Allein die Herstellung der Platte bei 1400 Grad ist schon Präzisionsarbeit. Die Qualitätskontrolle bei der Auswahl der Platten ist streng, nur wenige überstehen diese Prozedur. Die hoch spezialisierten Schriftmaler tragen dann in zwei Schichten die schlanken, eleganten römischen Ziffern auf. Nach jeder Bemalung wird das Blatt wieder bei 900 Grad Celsius gebrannt. Natürlich dürfen die beiden gekreuzten blauen Schwerter als Kennzeichen des Meißener Porzellans und der Schriftzug „Glashütte Original“ nicht fehlen. Besonders elegant wirken die feinen filigranen gebläuten Stahlzeiger, die die Uhr klassisch und zeitlos aussehen lassen.

Das Gehäuse dieser Automatikuhr, die mit Lederarmband geliefert wird, ist aus 750er Roségold gefertigt. Präzisionsarbeit und Qualität auf diesem Niveau haben ihren Preis, aber dieses besondere Kunstwerk aus Sachsen hält gewiss länger als ein Kleinwagen – eine Investition fürs Leben. Tsp

Im vergangenen Jahr erhielt sie den Preis für Angewandte Kunst der Berliner Volksbank, in diesem Jahr ist sie wieder als einer der 70 Aussteller im Zeughaus vertreten: Maria Schade entwirft wunderbare Kimonos, für die sich wohl auch Japaner begeistern können. Wer auf der Suche nach einem exklusiven Weihnachtsgeschenk mit Nachhaltigkeitsfaktor ist, der gehe zur Zeughausmesse vom 13. bis zum 16. Dezember, wo die Künstler und Designer aus Berlin und Brandenburg ihre Produkte vorstellen.

Das kreative Potenzial der Region zeigt hier, was es auf den Gebieten Mode, Schmuck, Keramik und Möbel zu bieten hat. Zu den ausstellenden Künstlern gehören Bettina Fehmel mit ihrem Collier aus geschwärztem Silber, Gold und Brillanten, Michaela Binder mit ihrem Schmuck aus eigenwilligen Materialkombinationen wie Nerz und Süßwasserperle oder Hinrich Kröger, der aus Fayence sehr verspielte Vasen und Teller herstellt. Im Lichthof des Deutschen Historischen Museums können die Besucher die Objekte in Vitrinen betrachten. Tsp

Zeughausmesse im Deutschen Historischen Museum, Unter den Linden 2. Geöffnet 13. Dezember 13 bis 18 Uhr, 14. und 15. Dezember 10 bis 19 Uhr, 16. Dezember 10 bis 18 Uhr. Eintritt: fünf Euro.

Das Etui ist rot, richtig lippenstiftrot. Das hat schon einmal den Vorzug, dass man das Etui in einer großen Handtasche leicht findet, denn in einer großen Handtasche verliert man leicht den Überblick. Da helfen Signalfarben beim Suchen. Doch mit diesem Lippenetui hat es etwas Besonderes auf sich. Im Katalog des Versandhändlers proidee wird es zwar nicht vermerkt, aber es erinnert stark an ein berühmtes Bild des spanischen Surrealisten Salvador Dalí. Der hatte 1936 der Hollywoodikone Mae West ein surreales Porträt gewidmet, ein Puzzle – die Haare ein Vorhang, die Augen zwei Gemälde, die Nase ein Kamin und die Lippen schließlich ein feuerrotes Sofa mit kühnem Schwung. Dalí hat dieses Sofa so gut gefallen, dass er, der Meister der Verwertung, es 1970 aus Polyurethan-Schaum und Glasfaser als rotes Möbel bauen ließ. Nun folgt die kleinere Variante „Hot Lips“ als Etui aus Rind-Nappaleder, 19 Zentimeter lang und 9 Zentimeter breit, geeignet für Lippenstift und Parfüm, aber auch für Schreibutensilien. Es fällt garantiert auf. R.B.

Weihnachten rückt näher, und hierzulande schmilzt die Kernzielgruppe Kind mangels Geburten ungebremst dahin. Deshalb will die Spielwarenbranche verstärkt Erwachsene als Kunden begeistern, vor allem mit Gesellschaftsspielen. Ein Mittel der Wahl ist dabei, aus einem Leser einen Spieler zu machen. Erst gab es zum Beispiel Ken Follets Erfolgsroman „Die Säulen der Erde“. Nun folgt das gleichnamige Brettspiel (Verlag Kosmos), das unter anspruchsvollen Zockern für Furore sorgt und gerade prämiert wurde.

Zwei Stunden und mehr dauern die ersten Partien, was das Taktikspiel für zwei bis vier (in einer Erweiterung bis zu sechs) Denker ähnlich monumental macht wie das über 1000 Seiten dicke Buch. Hier wie dort geht es um den Bau einer mittelalterlichen Kathedrale, nicht kooperativ, sondern im Wettstreit gegeneinander. Für Beteiligte heißt das, Baumaterial wie Stein und Holz besorgen, Handwerker einstellen und Baumeister gewinnbringend einsetzen. Wer dabei nicht auf die Finanzen achtet, ist spätestens gegen Spielende ohne Chance. Eingängige Regeln machen das komplexe Spiel flüssig. Stimulierend wirkt außerdem die ausgezeichnete Grafik. „Die Säulen der Erde“ hat auch als Spiel besondere Qualität, gepaart mit ruhiger Denkeratmosphäre. Dazu kommt die richtige Portion Glück. Das Spiel soll auch Ken Follet gefallen haben.

Mittelalter und Kathedralen kommen bei der erwachsenen Zielgruppe offenkundig gut an. Denn um Machtspiele im Schatten eines solchen Monumentalbaus geht es auch bei „Notre Dame“ (Alea). Damit enden alle Gemeinsamkeiten. Hier gibt es keine literarische Vorlage. Dieses Spiel dauert nur halb so lang, obwohl jeder Mitspieler nicht nur für eine Kirche, sondern einen ganzen Stadtteil in Paris sorgen muss. Am Ende zählt Prestige in Punktform, was Handeln an mehreren Fronten gleichzeitig erfordert. Das bewirkt einen Zustand permanenten Mangels. Entweder fehlt Geld, um einen wichtigen Pariser Bürger zu bestechen ,oder man hat zu wenig Einflusssteine zum Ausweiten seiner Macht, oder es fehlen die Mittel, um eine drohende Rattenplage einzudämmen. Notstandsverwaltung ist das und eine anspruchsvolle Aufgabe, zu der vorbildliche Regeln eine erfreulich gelungene Einstiegshilfe leisten. Bei beiden Neuheiten können auch ältere Kinder mitspielen. Ihre Siegchancen sind allerdings begrenzt.

Ganz anders ist das bei „Kunstmarkt“ (Prestel), obwohl auch hier thematisch eher um Erwachsene gebuhlt wird. Denn es geht darum, als Bilderhändler edle Kunst am besten in schnöden Mammon zu verwandeln. Wer hier kauft und verkauft, dealt mit Gemälden vom Schlag eines Rembrandt, Dürer oder Cézanne. Zum sinnlichen Erlebnis wird das, weil die Kunstwerke nebst zugehörigen Informationen kleinformatig auf stabile Pappkärtchen aufgedruckt sind.

Kinder ab etwa zehn Jahren sind bei dem kurzweiligen Spiel gern und auch erfolgreich mit von der Partie, weil das Spielgefühl trotz der ehrwürdigen Ware stark an das generationenüberdauernde Zocken Halbwüchsiger mit Quartetten erinnert. Beim Autoquartett auf dem Schulhof gewinnt der eine Karte, dessen Flitzer mehr PS hat. „Vor 1700, möglichst groß“, lautet zum Beispiel bei „Kunstmarkt“ ein Kundenwunsch, für den 25 000 Euro einstreicht, wer ein passendes Exponat bieten kann. Sehr flott geht das von der Hand, ohne lästigen Grübelfaktor. An eine etwa 30-minütige Partie zu dritt bis fünft schließt sich oft eine Revanche an. Das ist keine schwere Kost, die Altersgruppen verbindet.

Ganz im Zentrum steht die minderjährige Zielgruppe früherer Tage bei „Burg Appenzell“ (Zoch). Zugleich ist es die Art von kindgerechtem Spiel, das auch Erwachsene fordert und nicht langweilt. Voraussetzung ist, dass man das Spielmaterial unfallfrei aus dem Stanzbogen bekommt. Denn dieser ist dann als Gitter ein unabdingbarer Teil des Spielplans, der nicht geknickt oder gar im Müll entsorgt werden darf. Spielerisch mischt die mittels Mäusefiguren betriebene Käsejagd Elemente zweier Spielklassiker zu etwas Neuem. Das eine Prinzip ist Memory, das andere der Schiebemechanismus aus „Das verrückte Labyrinth“, der die einzelnen Felder des Spielplans in Bewegung hält. Da auch Löcher zu diesen Spielplanfeldern zählen, können die Mäuse nicht sorglos durch das Gemäuer wandern.

Schon optisch ist das Spiel ein Highlight. Aus der Schachtel wird mittels Steckelementen flugs und ansatzweise dreidimensional Burg Appenzell. Die darin geforderten Merkfähigkeiten bevorzugen klar Kinder. Das Schiebeelement kommt eher Taktikern entgegen. Es gewinnt, wer je nach Schwierigkeitsstufe zuerst vier, fünf oder sechs von sieben Käsesorten aufgespürt hat, was bei zwei bis vier Spielern ab angeblich sechs (besser acht) Jahren eine halbe Stunde oder mehr dauert.

Doppelt so lange sitzt man in gleicher Besetzung bei „Jenseits von Theben“ (Queen) am Tisch, jedenfalls körperlich. Denn geistig weilen damit beschäftigte Wohnzimmerarchäologen an antiken Grabungsstätten in Mesopotamien oder Ägypten. Sie sammeln Gerüchte, Wissen oder Gehilfen zwischen Berlin und London. Und sie fluchen über ihr eigenes Pech oder das unverschämte Glück der Rivalen. Denn das Archäologenspiel ist alles andere als eine staubtrockene Angelegenheit. Seinen Höhepunkten strebt es entgegen, wenn Spieler in eines von fünf Stoffsäckchen greifen und dabei entweder leere und somit wertlose Chips ziehen oder solche mit antiken Fundstücken und vielen Siegpunkten. Das Glück lässt sich durch gute Vorbereitung einer solchen Grabung aber auch etwas zwingen. Dennoch bleiben Schliemanns Erben hier im Kern dem Schicksal ausgeliefert. So war es damals vor Troja, und so ist es heute jenseits von Theben. Das wunderbare Familienspiel trifft die Atmosphäre des Themas voll und ganz. Es sorgt in den entscheidenden Momenten für knisternde Spannung. Es bietet allen neuen und alten Zielgruppen die Gelegenheit, dem Sieger ein verächtliches „nur Glück gehabt“ nachzurufen. Jedes Spiel kostet 25 bis 30 Euro.

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