Zeitung Heute : Zeitarbeit gewinnt an Akzeptanz

Zur Mitte des Jahres werden 200 000 Beschäftigte erwartetDie Zeitarbeit hat nach Worten von Ernst Vollbracht, Präsident des Bundesverbandes Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen (BZA), in den vergangenen Jahren an Akzeptanz gewonnen."Es ist ein sehr großer Sinneswandel eingetreten", sagte Vollbracht in Bonn der Wirtschaftsnachrichtenagentur ADX.Zur Mitte dieses Jahres erwartet er etwa 200 000 Beschäftigungsverhältnisse in der Zeitarbeit, im Juni 1999 würden es voraussichtlich 220 000 sein und Mitte des Jahres Zweitausend 250 000.Mitte des vergangenen Jahres seien es noch knapp 180 000 gewesen, erläuterte der BZA-Präsident.Die Zahl der Zeitarbeitunternehmen belief sich nach BZA-Angaben zum 30.Juni 1997 auf 2763.Hier ist laut Vollbracht allerdings nicht unbedingt mit einer Steigerung zu rechnen, da umgekehrt auch die Konzentration von Unternehmen im Markt zunehme.Momentan belaufe sich der Anteil der Zeitarbeitnehmer an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland auf 0,6 Prozent.Dabei sei jedoch eine deutliche Erhöhung erzielt worden."Vor 15 Jahren, als noch regelrechte Kampagnen gegen die Zeitarbeit geführt wurden, waren es noch 0,3 Prozent", betonte der BZA-Präsident.Mittelfristig könne der Anteil auf 1,2 Prozent gesteigert werden.Trotz gestiegener Akzeptanz hinke Deutschland bei der Zeitarbeit freilich immer noch hinter manchen Nachbarländern her.In Frankreich liege der Anteil der Zeitarbeitnehmer bei 1,7 Prozent, in Großbritannien bei 2,4 Prozent."Vorreiter sind die Niederlande, wo 3,2 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Zeitarbeit tätig sind", sagte Vollbracht.Dort gelte die Zeitarbeit als ganz normales Beschäftigungsverhältnis.In den Niederlanden gebe es mehr Flexibilität und weniger ideologische Bedenken als in Deutschland.Diese Vorbehalte seien indessen unangebracht."Dadurch, daß es uns Zeitarbeitunternehmen gibt, ist noch kein Arbeitsplatz verloren gegangen", hob Vollbracht gegenüber der Nachrichtenagentur hervor.Die Rechtslage zur Zeitarbeit in Deutschland ist nach Ansicht des BZA-Präsidenten trotz mancher Fortschritte noch deutlich verbesserungsbedürftig.Die Novelle des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) sei ein "wichtiger, aber kleiner Schritt" gewesen.Weitere Reformen seien unbedingt geboten."Der Zeitarbeitgeber muß so behandelt werden wie jeder andere Arbeitgeber auch", forderte Vollbracht.So müsse der Gesetzgeber Synchronisations-, Befristungs- und Wiedereinstellungsverbot streichen."Außerdem muß die sich bis jetzt noch auf zwölf Monate belaufende Überlassungsdauer wegfallen oder zumindest verlängert werden." Vom europäischen Einigungsprozeß ist nach Angaben Vollbrachts nicht allzu viel zu erhoffen."Es wird partielle Angleichungen geben, aber im Prinzip werden die sehr unterschiedlichen Rechtssysteme bis auf weiteres erhalten bleiben." Tsp / ADN

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben