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Peter Zschunke

Flaute in der Internet-Wirtschaft: Viele Plätze und Flächen in den so genannten "Daten-Hotels" sind nicht vermietet

Die Flaute der Internet-Wirtschaft hat an den Knotenstellen des weltweiten Computernetzes große Löcher in die Datenzentren gerissen. Wo vor einiger Zeit der Platz für die Internet-Rechner nicht schnell genug ausgebaut werden konnte, macht sich jetzt gähnende Leere breit: Die Anbieter dieser Daten-Hotels haben in Europa nur 31,7 Prozent ihrer verfügbaren Fläche vermietet. Während ein führendes Unternehmen der Branche, Exodus Communications, wegen der Krise in Konkurs ging, ist in der vergangenen Woche in München ein neues "Data Center" eröffnet worden.

Hier bietet das britische Unternehmen TeleCity eine Fläche von 15000 Quadratmetern an, auf der Firmen ihre Server für die eigenen Web-Seiten unterbringen. Rund um die Uhr passen Techniker auf, dass die Geräte störungsfrei laufen und der Datenverkehr über mächtige Glasfaser-Stränge auch bei steigender Auslastung gewährleistet bleibt.

"Ein solches Zentrum selbst zu bauen, rechnet sich für kein Unternehmen", erklärt der TeleCity-Vertriebsmanager für München, Joachim Fabian, und weist auf die hohen Kosten für Sicherheit, Brandschutz, Klimatisierung und Überwachung hin. "Der Kunde kann mit einem einzigen Server-Schrank anfangen und hat jede gewünschte Netzwerkverbindung zur Verfügung." Der Standort am Frankfurter Ring im Münchener Norden ist besonders günstig - hier verlaufen unterirdisch die Glasfaserkabel fast aller großen "Carrier", der führenden Telekommunikationsfirmen wie Deutsche Telekom oder Colt.

Zudem haben die großen Unternehmen ihre Web-Server ganz gern in der Nähe ihrer Zentrale - auch wenn das im Internet eigentlich völlig bedeutungslos ist. Das Netz ist global, die Märkte aber sind immer noch recht lokal. Die meisten deutschen Datenzentren sind in Frankfurt am Main angesiedelt, so dass Fabian auf regen Kundenzuspruch aus der Region hofft. Zum Start sind die ersten 700 Quadratmeter vermietet. Ein von einem bestimmten Carrier unabhängiges Datenzentrum hat den Vorteil, dass Unternehmen den Telekom-Anbieter einfacher wechseln können, wenn Preise oder Netzwerkleistung nicht mehr stimmen.

Die Entscheidung für den Bau des Münchener Data-Centers wurde allerdings schon getroffen, bevor der Internet-Boom abrupt zum Stillstand kam, wie die für Deutschland und die Niederlande zuständige TeleCity-Managerin Alexandra Schless einräumt. Die Krise habe aber auch ihr Gutes: "Die Cowboys haben das Feld verlassen." Die verbliebenen Anbieter von Datenzentren hätten sowohl die Kompetenz als auch die finanzielle Substanz, um die Branche weiterzuentwickeln. München ist nach Frankfurt am Main der zweite Standort von TeleCity in Deutschland. Der Plan für weitere Zentren in Berlin und Düsseldorf wurde der derzeit schlechten Konjunktur aber fürs erste aufgegeben. "Ich denke nicht, dass es sofort zu einem Umschwung kommen wird", sagt Schless. "Gegen Ende des Jahres werden wir aber schrittweise eine Besserung der Lage erleben."

"Vor zwei Jahren dachten alle, das Internet-Wachstum ist grenzenlos", erinnert sich die niederländische Managerin an die Zeiten des Booms. "Jetzt geht es nicht mehr in erster Linie um immer mehr Fläche." Wer in der Internet-Wirtschaft bis jetzt überlebt hat, musste vor allem lernfähig sein. TeleCity war nach einer Branchenstudie des Unternehmensberaters Frost & Sullivan bislang die Nummer zwei in Europa. Nach dem Konkurs des bisherigen Marktführers Exodus steht jetzt die 1998 gegründete TeleCity an der Spitze.

Für die gesamte Branche sagt Frost & Sullivan eine schwierige Übergangszeit bis 2003 voraus. Später als erwartet werde sich dann eine Phase des starken Wachstums anschließen, die das Marktvolumen der Data-Center-Branche in Europa von derzeit 360 Millionen Euro auf drei Milliarden Euro im Jahr 2007 hieven werde.

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