Zeitung Heute : Zimmerpflanzen, die aus der Reihe tanzen

Winterblüher bringen Farben in die Wohnung.

Tassilo Wengel (mit dpa

Im Winter sollten die Blätter von Zimmerpflanzen nicht das Fenster berühren. Sowohl sehr kalte als auch feuchte Scheiben können die Blätter schädigen, erläutert Markus Gregg vom Fachverband Raumbegrünung und Hydrokultur (FvRH) im Zentralverband Gartenbau in Bonn. Wenn draußen frostige Temperaturen herrschen, werden besonders einfach verglaste Scheiben so kalt, dass die Zellen der Blätter erfrieren können. Sie werden braun und fallen ab.

„Das kann auch passieren, wenn Pflanzen im Zwischenraum eines Doppelkastenfensters stehen“, sagt der Gärtnermeister. Besonders empfindlich seien beispielsweise die tropische Krebsblume (Kroton) und das Scheidenblatt (Spathiphyllum). In Räumen mit zu dichten Fenstern droht im Winter eine andere Gefahr: Bildet sich an den Fenstern Kondenswasser und werden Blätter davon nass, können sie faulen. „Besonders kritisch wird Feuchtigkeit in Verbindung mit Kälte“, sagt Gregg. Da man die Zimmerpflanzen am Fenster nur selten bewegt, bemerke der Hobbygärtner solche Kälte- oder Fäulnisschäden oft erst, wenn es zu spät ist. Deshalb sollten die Gewächse am besten über den Winter immer mit etwas Abstand zu den Scheiben stehen, rät der Pflanzenexperte.

So manche Zimmerpflanzen lenken jetzt mit ihren attraktiven Blüten die Blicke auf sich und bringen vor allem in den tristen Wintermonaten Farbe in die Wohnung. Neben Alpenveilchen, Azaleen und Weihnachtsstern sind auch weniger bekannte Arten im Angebot. Sie glänzen mit interessanten Blüten und können im Zimmer oder Wintergarten besondere Akzente setzen. Um lange Freude an den schönen Blüten zu haben, können spezielle Pflegehinweise manchmal ganz hilfreich sein.

Allgemein bekannt ist das Flammende Kätchen (Kalanchoe bloßfeldiana), das fast ganzjährig blüht und sehr anspruchslos ist.

Seit einiger Zeit werden auch Hybriden aus Kalanchoe miniata und Kalanchoe porphyrocalyx angeboten, die sich durch eine Fülle zarter Blüten auszeichnen. Vor allem vom Winter bis zum Frühjahr entwickeln sie eine Fülle nickender Glockenblüten, die am Ende der Triebe erscheinen und rötlich gefärbt sind. Wegen des lockeren Wuchses mit den herabhängenden Blütenständen ist diese Pflanze besonders gut für Ampeln in Veranden und kühlen Treppenhäusern geeignet. Alle Kalanchoe sollte man im Winter sparsam gießen, bei höheren Temperaturen vom Frühjahr bis zum Herbst feuchter, aber nicht nass halten

Die Prärie-Glockenblumen (Eustoma grandiflorum) werden immer häufiger als Schnittblumen für Sträuße mit besonderer Note verwendet. Seit einigen Jahren sind sie wegen der beeindruckenden Schönheit ihrer großen glockenähnlichen Blüten auch als Topfpflanzen sehr geschätzt. Sie blühen blauviolett, rosa und weiß oder zweifarbig und entfalten sich über dem blaugrünen Laub. Allerdings handelt es sich bei der Prärie-Glockenblume um eine recht kurzlebige Pflanze, die in den Prärien von Colorado, Nebraska, Texas und Neumexiko als ein- und zweijährige Art wächst.

Bereits 1804 in England eingeführt, kultivierte man sie nach 1830 schon als Topfpflanze auch in Deutschland. Allerdings geriet sie wieder in Vergessenheit, bis sich japanische Gärtner in der Mitte dieses Jahrhunderts mit ihrer Züchtung beschäftigten und großblütige Sorten schufen. Die Temperaturen sollten zwischen zehn und 15 Grad Celsius liegen. Da die Pflanze sehr empfindlich auf zu viel Nässe reagiert, sollte man sie wenig gießen, aber das Substrat nicht vollkommen austrocknen lassen.

Dagegen ist die Fliederprimel (Primula malacoides) eine alte Zimmerpflanze. Sie stammt aus China und wurde von dem englischen Botaniker George Forrest 1905 in England eingeführt. Schnell begann man mit der Züchtungsarbeit und präsentierte bereits in den zwanziger Jahren ein breites Farbenspektrum. Die Palette reicht von weiß und lila über rosa bis rot. Die Pflanze sollte kühl und luftig stehen bei Temperatur um 10 Grad Celsius. Der Wurzelballen sollte immer gleichmäßig feucht, aber nicht nass sein. Je kühler der Standort ist, desto weniger Wasser benötigt die Pflanze.

Wenn der Vielblütige Jasmin (Jasminum polyanthum) seine Blüten entfaltet, erfüllt sich der Raum schnell mit einem angenehmen Duft. In seiner chinesischen Heimat erreicht der Jasmin als Kletterpflanze schnell Höhen bis zu sieben Meter. Als Zimmerpflanze lässt man ihn selten klettern, sondern bringt ihn wegen der locker herabhängenden Zweige gern in einer Ampel zur Geltung oder bindet die Pflanze an einem Gerüst auf.

Die weißen Blüten entfalten sich am Ende der Triebe in schirmartigen Blütenständen über dem immergrünen Laub. Zu empfehlen ist ein luftiger Standort bei Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad Celsius. Wasser nur dann verabreichen, wenn der Wurzelballen trocken ist. Sobald keine Fröste mehr zu erwarten sind, kann die Pflanze im Freien stehen und Balkon oder Terrasse schmücken.

Für Ost-oder Nordfenster ist die Ruellie (Ruellia macrantha) bestens zu empfehlen. Diese attraktive Zimmerpflanze aus Südamerika wird wegen der attraktiven auffallend gefärbten Blüten während der Wintermonate besonders geschätzt. Die Ruellie wird vor allem als kleine Topfpflanze angeboten, obwohl sie sich im Laufe der Jahre zu einem stattlichen, reich verzweigten Strauch bis zu einem Meter Höhe entwickeln kann. An den Zweigen entfalten sich 10 bis 15 Zentimeter lange Blätter, in deren Achseln von Dezember bis Mai die großen, glockenförmigen Blüten in zartem Lila erscheinen. Der Standort soll hell, aber ohne direkte Mittagssonne sein. Optimale Temperaturen liegen zwischen 15 und 20 Grad Celsius und der Wurzelballen wird ganzjährig gleichmäßig feucht gehalten, wobei Staunässe zu vermeiden ist.

Wer einen Wintergarten oder eine Veranda hat, kann sich mit der Brunfelsie (Brunfelsia pauciflora) eine zauberhafte Pflanze ins Haus holen. Für kleine Pflanzen genügt auch das Fensterbrett, allerdings entwickelt sich die Brunfelsie über mehrere Jahre zu einer stattlichen Pflanze, die eine Höhe von etwa einen Meter erreicht. Dieser immergrüne Strauch hat glänzende, elliptisch geformte Blätter von acht bis zehn Zentimeter Länge und schmückt sich vom Winter bis in den Frühling hinein mit leuchtend violetten Blüten. Sie stehen meist in dichten Trugdolden zusammen und können einen Durchmesser bis zu fünf Zentimeter erreichen. Der Standort soll halbschattig, aber ohne direkte Sonne sein. Die Temperaturen liegen im Winter bei 15 Grad Celsius, im Sommer über 20 Grad Celsius. Im Herbst wird die Temperatur für 6 Wochen auf 10 bis 12 Grad Celsius gesenkt, damit sich reichlich Knospen bilden. Der Wurzelballen wird gleichmäßig feucht gehalten, aber stauende Nässe vermieden. Tassilo Wengel (mit dpa)

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