Zeitung Heute : "Zoe", ein Milieufilm von Maren-Kea Freese in 3sat (Fernsehtipp)

M.B.

Ihre Habe trägt sie in Plastiktüten mit sich herum. Nirgendwo zu Hause, bilden heruntergekommene Wohngemeinschaften, Diskotheken und Flipper-Kneipen in Berlin Zoes (Kirsten Hartung) Lebensmittelpunkt und mehr als flüchtige Beziehungen scheint sie zu niemandem zu pflegen. "Zoe" wie ihre Hauptfigur nennt Maren-Kea Freese ihren Abschlussfilm an der Berliner Fimhochschule (DFFB), der heute seine TV-Premiere (3sat, 23 Uhr 30) hat. Der Zuschauer braucht einiges an Stehvermögen, um einen Überblick über das Beziehungsgeflecht zwischen den zumeist sprachlos nebeneinanderher lebenden Figuren zu behalten, die in regelmäßigen Abständen von Existenzialismus-Anfällen gebeutelt werden und dann Dinge sagen wie "Wenn die Einsamkeit produktiv ist, ist sie der einzige Lebensgenuss". Bei einigem Wohlwollen könnte man den Film als Milieustudie von nicht unerheblicher dokumentarischer Kraft und skurrilem Humor über desillusionierte Jugendliche bezeichnen. Die unbekannten jungen Schauspieler führen ihre Hoffnungslosigkeit bedrückend echt vor.

Die Beteiligung des Obdachlosentheaters "Ratten 07" und trostlose Berliner Betonwüsten-Schauplätze tun ein Übriges, um all der Armseligkeit Authentizität zu verleihen. Eine Jury jedenfalls hat der Film bereits überzeugt. Beim Münchner Filmfest erhielt er in der Sparte "Neue Deutsche Filme" den Regie-Förderpreis.

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