Zeitung Heute : Zollitsch redet mit Papst über SkandalbischofStrafbefehl wegen Reise gegen Tebartz-van Elst

Berlin - Der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist weiter unter Druck geraten. Erst musste er sich wegen seines Führungsstils Kritik aus den eigenen Reihen gefallen lassen, dann war bekannt geworden, dass der Neubau seiner Residenz mit 31 Millionen Euro deutlich teurer ausfallen wird als geplant, und nun hat die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl gegen ihn beantragt. Sie wirft dem Bischof vor, in zwei Fällen falsche eidesstattliche Versicherungen vor dem Landgericht Hamburg im Zusammenhang mit einer Flugreise nach Indien abgegeben zu haben. Das Amtsgericht Hamburg wird den Antrag prüfen. Eine falsche Versicherung an Eides Statt wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Hintergrund sind Berichte des „Spiegel“, wonach Tebartz-van Elst erster Klasse geflogen sei. Gegen das Magazin ist der Bischof in zwei Zivilverfahren vorgegangen. Dabei hat er von ihm unterzeichnete Eidesstattliche Erklärungen eingereicht, die nach Ansicht der Staatsanwaltschaft falsch sein sollen. Zu dem Strafbefehl äußerte sich der Bischof nicht. In der „Bild“-Zeitung wies er aber den Vorwurf der Verschwendung zurück. „Wer mich kennt, weiß, dass ich keinen pompösen Lebensstil brauche“, sagte er.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, sagte, dass er den Vorgang mit „großer Sorge“ verfolge. Kommende Woche wolle er in Rom mit Papst Franziskus über den Fall sprechen. Nur der Papst kann einen Bischof entlassen. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, verlangte eine rasche Klärung. Die jetzige Situation sei unerträglich, sagte er dem rbb-Inforadio. Kritik kommt auch von der Kirchenbeauftragten der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin Griese. „Tebartz-van Elst hat sich völlig von der Basis der Kirche entfernt und Misstrauen gesät. Sein Verhalten schadet nicht nur dem Bistum, sondern der katholischen Kirche insgesamt“, sagte sie dem Tagesspiegel. ctr

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