Zeitung Heute : Zu den CeBIT-Highlights gehört auch Windows 98

KURT SAGATZ

Bereits die letzte Betaversion läuft erfreulich stabil / US-Justizministerium will Betriebssystem nicht blockierenVON KURT SAGATZEs ist sicherlich ein Zufall, daß das US-Justizministerium jetzt - nur wenige Tage vor Beginn der weltgrößten Computermesse CeBIT 98 (19.bis 25.März) - über das "Wallstreet Journal" durchsickern ließ, es werde die für Juni geplante Auslieferung von Windows 98 in den USA nicht blockieren, vorausgesetzt, die Gates-Company bringt zeitgleich eine Version ohne die umstrittene Bündelung mit dem Internet-Explorer auf den Markt.Gleichwohl wird es dem Redmonder Software-Imperium gut passen, mit dieser Nachricht im Gepäck zur CeBIT reisen zu können, zumal die letzte Beta-Testversion des Betriebssystemes zeigt, daß auch der Verkauf in den nichtamerikanischen Ländern wie Deutschland im zweiten Quartal durchaus realistisch ist.Mit Betaversionen hat es schließlich seine besondere Bewandtnis.Vor allem die letzte Version vor der Herausgabe der sogenannten Final Release, also der endgültigen Verkaufsversion, dient den Entwicklern dazu, möglichst die letzten Fehler und Inkompatibilitäten zu beheben.Doch aus der Erfahrung wissen die meisten Computerbenutzer, daß es sich dabei höchstens um einen Versuch handelt, denn die Härte des Wettbewerbs im Computerbereich führt zumeist dazu, daß mit heißer Nadel gestrickte Programme nur kurz nach der Markteinführung von einem Fehlerbehebungsprogramm begleitet werden.Dies trifft nicht allein auf den Marktführer zu, der zu Windows NT bereits den Service Pack 3 und zum Office-Paket 97 auch schon ein Patch nachschob, sondern nahezu auf die gesamte Branche.Bei Windows 98 scheinen jedoch die Chancen, daß mit der Herausgabe eines Service-Packs etwas länger gewartet werden kann, recht gut zu sein.Die vorliegende Beta-Version 3 läuft bereits jetzt nahezu einwandfrei, selbst in den Problembereichen Bildverarbeitung und Spiele sind in Tests der Interaktiv-Redaktion, aber auch von anderen namhaften Computerzeitschriften, kaum größere Probleme aufgetaucht.Dabei soll nicht verschwiegen werden, daß Windows 98 eigentlich den Jahreszusatz 97 hätte tragen sollen, die Entwickler also auch mehr Zeit hatten, ein möglichst fehlerfrei arbeitendes Betriebssystem zu entwerfen.Hier macht sich bemerkbar, daß Microsoft nach dem Scheitern des IBM-Betriebssystemes OS/2 auf dem PC-Markt kaum noch Konkurrenten hat, denn das Alternativ-Betriebssystem Linux ist noch immer nicht jedermanns Sache.Daß die Microsoft-Nerdes auf der CeBIT in Hannover also ein nahezu fertiges Windows 98 als Highlight ihrer Messeaktivitäten vorstellen können, hat somit mehrere handfeste Gründe.Der wichtigste ist sicherlich, daß es sich bei der 98er-Version nicht um die Wiederholung eines Quantensprunges wie von der alten 3.x-Version auf Windows 95 handelt, sondern um die konsequente Weiterentwicklung eines bereits vorhandenen 32-bit-Betriebssystemes.Die Botschaft, die Microsoft mit Windows 98 an den Nutzer bringen will, ist darum auch so einfach wie umfassend: Mit dem neuen Betriebssystem wird die Arbeit mit einem PC noch einfacher und vor allem multimedialer.Von der Installation über die Integration neuer Komponenten bis zur Modernisierung von Treibern wird der Nutzer von Assistenten begleitet, die ihm die meisten Arbeitsschritte abnehmen oder zumindest ihm die Entscheidung erleichtern.Auf Knopfdruck läßt sich die Performance durch eingebaute Tuning-Hilfen und einen erweiterten Systemdienst steigern, selbst die Umwandlung des Dateisystems auf die zeitgemäße 32bit-Variante stellt niemanden mehr vor unüberwindbare Hürden.Drei Jahre nach Windows 95 dürfte sich dadurch auch die Frage, ob man weiterhin dem alten 16-bit-Betriebssystem Windows 3.x die Treue halten sollte, endgültig erübrigen, denn Internet und Multimedia sind in der neuen Version endlich integrale Bestandteile.Während bei der 95er-Version nur der Zugang zum Internet über das Microsoft Network standardmäßig vorgegeben war, werden die User nun auswählen können, ob sie mit einem reinrassigen Internet-Provider oder über AOL, CompuServe oder eben MSN ins Netz gehen.Die dafür notwendigen Softwarepakete liegen jedenfalls in der Beta-3-Version bereits vor - mit Ausnahme von Deutschlands größtem Online-Dienst T-Online.Doch auch mit dem Telekom-Ableger würden Verhandlungen geführt, heißt es aus der Münchener Microsoft-Deutschland-Zentrale.Leider ist Microsoft nicht in allen Fragen zwei Schritte voran gegangen, sondern zum Teil auch wieder einen Schritt zurück.Einige Komponenten, die in Windows 95 vorhanden waren, fehlen auf einmal im neuen Betriebssystem.Wer nach der Neuinstallation des Software-Paketes versucht, ein Fax per Modem abzusetzen, wird sein Wunder erleben, denn mit dem Übergang von Exchange zu Outlook Express wurde die Faxsoftware gleich mitgestrichen.Diese Funktionalität soll künftig in die Anwendungen, sprich in Microsoft Office oder andere Programme, integriert werden, heißt die nicht unbedingt logische Erklärung der Microsoft-Promoter.Ein weiteres Beispiel: In Windows 95 war von Anfang an ein kleines Netzwerkprogramm enthalten, um die weitverbreiteten HP-Laserjet-Drucker im Netz ansprechen zu können.Auch dies fehlt in Windows 98.Einziger Ausweg ist nun, sich das immerhin fünf Megabyte große Programm von der Hewlett-Packard-Homepage im Internet zu besorgen, denn wie auch bei anderen 32bit-Treibern funktioniert auch dieses Windows-95-Programm mit der neuen Version.Microsoft ist freilich mehr als Windows, egal in welcher Version, wie das das Unternehmen auf den beiden CeBIT-Ständen in Halle 2 und 6 sicherlich zeigen wird.Die ganz großen Würfe sind dabei jedoch nicht zu erwarten.Im Bürobereich wird die Weiterentwicklung des Office-Pakets sowie die neue Outlook-Version 98 demonstriert, Internet-Nutzer können das Web-Allroundpaket Frontpage 98 ausprobieren und bei Betriebssystemen geht es um die neue Windows CE-Version 2.0.Auch im Consumer-Bereich wird Bewährtes wie Encarta, LexiRom oder AutoRoute gezeigt.Daß es an den Messeständen wie üblich sehr rege zugehen wird, dafür dürften auch die rund 200 Partnerfirmen sorgen, mit denen zusammen sich Microsoft als durchaus kooperatives Unternehmen darstellen will.

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