Zeitung Heute : Zucht und Schwäche

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Es war ausgerechnet ein deutscher Finanzminister, nämlich Theo Waigel, der sich zunächst als Europas oberster FinanzZuchtmeister aufspielte. „Zweimal in Bonn gehustet, und schon hat die Lira eine Lungenentzündung“, kommentierte er 1995 die Probleme Italiens, die Konvergenzkriterien für die Währungsunion zu erreichen. Die deutsche Initiative für einen Euro-Stabilitätspakt stieß darum zunächst auf wenig Gegenliebe. Italien befürchtete eine „Germanisierung Europas“. Spanier und Portugiesen warfen den Deutschen „völlig verfrühte und überzogene Soliditätsansprüche“ vor. Waigel argumentierte mit Blick auf „südliche Schwachwährungsländer“, diese seien nur mithilfe des Paktes auf einen harten Euro-Kurs zu bringen. Als der Stabilitätspakt ein Jahr später offiziell beschlossen wurde, war jedoch nur noch Frankreich gegen „ein mathematisch exaktes Regelwerk“. Aus verständlichem Grund: Denn damals warf die EU Paris „kreative Buchführung“ vor. sw

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