Zeitung Heute : Zügig wieder Vollzeitjob annehmen

Silke Zorn

Anfang 2008 sind neue Regelungen zum Betreuungsunterhalt in Kraft getreten. Mussten Alleinerziehende früher erst wieder arbeiten, wenn der Nachwuchs acht Jahre alt war – und auch das zuerst nur stundenweise –, haben sie jetzt nur noch Anspruch auf Unterhalt, bis das jüngste Kind drei ist. Danach gibt es nur noch Geld, wenn die Verlängerung individuell begründet und im Einzelfall angemessen ist.

„Weitere Zahlungen werden in der Regel zugestanden, wenn es entweder keine Betreuungseinrichtung vor Ort gibt oder das Kind besondere Aufmerksamkeit braucht, etwa weil es krank oder verhaltensauffällig ist oder große Probleme in der Schule hat“, sagt Susanne Rabe, Notarin und Fachanwältin für Familienrecht in Berlin. Ausnahmen von der Verpflichtung zum Vollzeitjob werden außerdem gemacht, wenn der betreuende Elternteil wegen der Rollenverteilung in der Ehe darauf vertrauen durfte, länger unterstützt zu werden.

Ansonsten gilt: Alleinerziehende müssen zügig wieder Vollzeit arbeiten. Wer weiter Unterhalt beanspruchen will, muss detailliert begründen und beweisen, warum und in welchem Umfang die Kinder auf besondere Fürsorge angewiesen sind.

Letztlich ist immer der Einzelfall entscheidend. Dabei spielen auch das Alter der Kinder und die gesamten Lebensumstände eine Rolle. „Für alleinerziehende Mütter mit ein bis zwei Kindern im Grundschulalter halten viele Gerichte eine Halbtagsstelle für ausreichend“, sagt Susanne Rabe. Der Bundesgerichtshof habe außerdem klargestellt, dass der Betreuende durch die Kombination aus Erwerbstätigkeit und Alleinerziehung nicht über Gebühr belastet werden dürfe.Silke Zorn

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