Zeitung Heute : Zukunftsforschung Internet

MARKUS ELSEN

Eine Studie der Daimler-Benz AGVON MARKUS ELSEN

"Ein Zukunftslabor ist eine Metapher für einen Ort des Vordenkens, des Überdenkens und des Nachdenkens.Bei uns raucht und zischt nichts, außer vielleicht unsere Köpfe", erklärt Eckard Minx, Leiter der Abteilung "Forschung, Technik und Gesellschaft" der Daimler-Benz AG in Berlin und im kalifornischen Palo Alto.Anders als bei der naturwissenschaftlich-technisch orientierten Industrieforschung geht es bei seiner Arbeit darum, möglichst frühzeitig und umfassend die Chancen und Risiken zukünftiger Produkte zu identifizieren. Die Abteilung von Eckard Minx untersucht jedoch auch das gesellschaftliche Umfeld und die Organisation von Arbeitsprozessen im Unternehmen.Im Vordergrund der Analysen der Forschungsgruppe stehen Aspekte des gesellschaftlichen Wertewandels."Was wir hier tun, ist sozusagen Denken auf Vorrat.Das bedeutet nichts anderes, als gewappnet zu sein für Alternativen, die sich in der Zukunft einstellen können", faßt Eckard Minx die Arbeit seiner Abteilung zusammen. Ein Forschungsfeld der Gruppe ist das Internet.Für den Daimler-Benz-Konzern stellt sich insbesondere die Frage nach der wirtschaftlichen Bedeutung des Internet als Modell und mögliche Keimzelle des vielbeschworenen "DataSuperHighways".Speziell geht es um die Rolle des Internet für die Kommunikation zwischen den Unternehmen und zur Etablierung neuer Geschäftsbereiche.Im Frühjahr dieses Jahres wurde von der Forschergruppe eine Studie mit dem Titel "Auf dem Weg zum DataDollarHighway" veröffentlicht. Der Forschungsbericht von Burkhard Järisch und Harald Preissler analysiert in seinem ersten Teil das Verhalten der ersten kommerziellen Anbieter im Netz.Den bislang erfolgreichsten Wirtschaftszweig stellen derzeit, so die Studie, die Sekundärdienste dar, nämlich jene Firmen, die anderen Unternehmen bei der Entwicklung von Internet-Kommunikationsstrategien helfen, entsprechende Software zu verkaufen sowie Marktanalysen im Internet durchzuführen. Für den Physiker Harald Preissler stecken die kommerziellen Aspekte des Internets noch in den Kinderschuhen: "Es ist sicherlich noch zu früh, um Geschäfte mit einem großen Finanzvolumen zu machen, da die Zielgruppen, die beispielsweise über E-mail erreicht werden können, noch sehr klein sind.Dies kann sich jedoch sehr schnell ändern." Der zweite Teil des Forschungsberichts befaßt sich mit denkbaren Szenarien zum Stand der Entwicklung des Internet im Jahr 2010."In unserer Studie haben wir vier Pfade dokumentiert, die vom gegenwärtigen Zeitpunkt aus betrachtet mit gleicher Wahrscheinlichkeit eintreten können", so Eckard Minx.In welche Richtung sich das Internet nun jedoch genau entwickeln wird, vermögen auch die Berliner Zukunftsforscher zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abzuschätzen. Ob und wie schnell sich das Internet letztlich zum Massenmedium oder "elektronischen Marktplatz" entwickeln wird , hängt im erheblichen Maße vom Engagement der Wettbewerber im Netz ab.Die Studie weist hierzu eine Anzahl von Schlüsselgrößen für die Kommerzialisierung des Internet aus: die Sicherheit des Datentransfers, die Etablierung und Durchsetzbarkeit von Rechtssicherheit, die Zugangskosten sowie die vom Nutzer wahrgenommene Übertragungsgeschwindigkeit.Als externer Faktor ist das Engagement der Wettbewerber im Internet (zum Beispiel Marketingaktivitäten oder Unternehmensauftritt) von überragender Bedeutung. Obwohl sich auch die Forscher der Abteilung "Forschung, Gesellschaft und Technik" der Daimler-Benz-AG schwer tun mit konkreten Aussagen über das, was uns explizit erwartet, sieht Eckard Minx konkrete Chancen für den Arbeitsmarkt: "Die Nutzbarmachung der neuen Technologien kann natürlich eine positive Sogwirkung auf eine Stadt wie Berlin haben.Wenn sich auch weiterhin High-Tech-Industrie ansiedelt, haben wir hier einen Arbeitsplatzgenerator für die Zukunft".

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