Zukunftsprognose : Sonne, Meer und Euro im Überfluss

Helmut Schümann

In diesen Tagen wird viel vom Wetter geredet, von Konjunkturpaketen und Prognosen zum Gotterbarmen. Kalt ist es, starr ist es, die Wirtschaft liegt am Boden, die Räder stehen still, das Geld zerrinnt zwischen den Fingern, die Zukunft ist schwarz, abgrundtief schwarz. Aber, liebe Leute, das muss doch gar nicht sein.

Die Zukunft ist blau, strahlend blau, auch das Meer bis zum Horizont ist blau, tiefblau. Nicht die Wirtschaft liegt am Boden, sondern man selbst, fläzend, wohlig, räkelnd, leicht bekleidet. Und zwischen den Fingern rinnt allenfalls feinster Sand, weiß wie der Schnee, aber wärmer und trockener. Hinten in der Villa mit Horizontblick und Pool und drei Zimmern und geräumigem Bad stehen in der Küche die Drinks, eisgekühlt, Drinks der exotischsten Art, und ein Hummer müsste auch noch da sein. Kost’ ja nix, oder kostet doch etwas, macht aber nichts, wenn man 80 000 Euro im Rücken hat für ein halbes Jahr und Logis frei ist. Ein Traum, das Paradies, das Hirngespinst eines verfrorenen Mitteleuropäers mit desaströsem Kontostand? Ach Quatsch. Das ist harte Arbeit!

Ein Jobangebot. Ist es nicht tröstlich, dass neben Kurzarbeit auch noch vernünftige Arbeit in Aussicht gestellt wird? Queensland, ein australischer Bundesstaat, offeriert weltweit die Villa am Strand auf Hamilton-Island im Great Barrier Reef, nebst erwähnter Apanage und kommoder Ausstattung. Die Gegenleistung scheint machbar zu sein: Ein Internetblog soll geführt werden über die Insel, möglichst täglich, muss aber nicht sein, wenn man zwecks Recherche im Wasser tollt und am Reef entlangtaucht. Einfach ab und zu erzählen, wie’s so gefällt. Einstellungsvoraussetzung: Beherrschung der englischen Sprache. Ja, und der Pool sollte ab und an mal gereinigt werden. Dafür gibt es den Flug vom Heimatland auf die Insel obendrauf.

Die Sache hat natürlich einen Haken. Wer die australische Sonne und die dortige Hitze unter dem Ozonloch nicht abkann, braucht sich gar nicht zu bewerben. Wasserscheue auch nicht. Die sollen lieber hierbleiben und mit Frau Merkel die Konjunktur ankurbeln. Die anderen, die nicht so pingelig sind, können sich bis zum 22. Februar im Internet bewerben. Die Sache hat natürlich noch einen Haken. Der Job mit der angenehmen Arbeitsplatzbeschreibung unten in Queensland wird weltweit exakt einmal vergeben. Es dürfte deshalb auf Verständnis stoßen, dass wir die Internetadresse hier nicht veröffentlichen können.Helmut Schümann

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