Zeitung Heute : Zum Retten

Stephanie Nannen

Der Bundeskanzler hat sich von führenden geowissenschaftlichen Instituten über Frühwarnsysteme beraten lassen. Welches Angebot kann Schröder der Katastrophenregion in Südasien machen?

Der Bundeskanzler hat einen Plan. Er will Südasien bei der Errichtung eines Frühwarnsystems helfen. Vor einer Woche gesagt, in der Zwischenzeit geplant und nun getan: Führende deutsche Wissenschaftler besuchten Gerhard Schröder (SPD) am Donnerstag im Kanzleramt um ihr Angebot zu unterbreiten.

Schröder ist offenbar überzeugt, denn nun liegt ein Konzept für die Region vor – für den Indischen Ozean. Allerdings beinhaltet dieses auch Maßnahmen, die auf die Region um das Mittelmeer und den Atlantik angewendet werden können. Auf dieses Gebiet nämlich soll der Plan im Anschluss ausgeweitet werden. Immer wieder warnten Experten in den vergangenen Wochen vor der großen Gefahr von Tsunamis in „europäischen Gewässern“.

Die deutschen Wissenschaftler gehen nach einem Zwei-Stufen-Plan vor, der von der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren koordiniert (HGF) werden soll.

Die erste Stufe ist auf ein bis drei Jahre angelegt und betrifft die Einrichtung eines Warnsystems vor allem vor Erdbeben und Tsunamis im Indischen Ozean auf der Basis bereits existierender Systeme. Nach spätestens drei Jahren soll eine solche Katastrophe wie die jetzige nicht mehr möglich sein. Dazu ist der Ausbau des weltweiten Netzwerkes nötig, es braucht also zusätzliche Stationen, schnelle Datenschnittstellen über Satellit und ein verbessertes Auswertverfahren. Außerdem muss das Wissen um dieses System und die notwendigen Maßnahmen im Falle einer Bedrohung an die Bevölkerung weitergegeben werden. Es müssen Trainingskurse auch für die dortigen seismologischen Zentren geboten werden. Es braucht eine gewisse Infrastruktur, um die Technik sinnvoll einsetzen zu können. Und zusätzlich müssen die seismologischen Netze der Geberländer mit dem neuen System verbunden werden.

Die Technik ist nur ein Bestandteil eines solchen Tsunami-Frühwarnsystems. Das Angebot der Wissenschaftler sieht bojengestützte Druckpegelmesser vor. Die schlagen bei stark erhöhtem Wasserdruck, der durch Beben oder auch Vulkanausbrüche verursacht sein kann, Alarm. Dazu gehören an Land stationierte Wasserpegelmesser, die erkennen, wenn sich Wasser auftürmt. Zur Kommunikation wird die Nutzung bereits existierender Satellitensysteme vorgeschlagen.

Geplant ist aber auch, diese Technologie noch weiter zu entwickeln und mehr Entscheidungsträger und Fachleute in diesen gefährdeten Regionen zu versammeln.

Die zweite Stufe des umfangreichen Plans sieht den Bau und Betrieb eines Multi-Satellitensystems auf der Basis der Ergebnisse von Stufe I vor. Das wäre der Schritt zu einem global arbeitenden System, das allerdings erhebliche finanzielle Mittel binden würde. Darüber, so der Vorschlag, sollte in ein bis zwei Jahren mit europäischen und internationalen Partnern entschieden werden. Deutschland würde die Ergebnisse der jetzt vorgesehenen Maßnahmen einbringen.

Die Kosten für diesen Plan sind schon jetzt nicht gering: Sie werden auf 45 Millionen Euro geschätzt.

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hatte am Donnerstag in Berlin angekündigt, dass das Konzept auf der UN-Konferenz zum Katastrophenschutz im japanischen Kobe (18. bis 22. Januar) vorgestellt werden solle.

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