Zeitung Heute : Zum Vertrag gehört das Vertrauen

Gründungen im Team können gut gehen

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Vier Männer und eine Frau – geht das gut? Die Architektengesellschaft Graft sieht sich momentan optimal aufgestellt. Promo: Graft
Vier Männer und eine Frau – geht das gut? Die Architektengesellschaft Graft sieht sich momentan optimal aufgestellt. Promo: Graft

Wer eine gute Geschäftsidee hat, hat sie oft genug nicht alleine entwickelt. Ob Freunde oder Studienkollegen, Gründerteams sind keine Seltenheit – und der Erfolg gibt ihnen recht. So wie im Fall von Siemens, Hewlett-Packard oder BMW. Mehrköpfige Gründungen bieten entscheidende Vorteile: mehr Finanzkraft, umfangreichere Kompetenzen, ein größeres soziales Netzwerk und ein geringeres Risiko. Mindestens genauso wichtig wie die Summe aller fachlichen Fähigkeiten ist immer die Interaktion in der Gruppe.

Im Team zählt vor allem das Zwischenmenschliche, wie Unternehmensberaterin Sabine Riedel-Schönfeld von Schönfeld-Kommunikation betont. „Klarheit und Transparenz schaffen Vertrauen“, sagt sie und rät Gründungswilligen, sich von Anfang an zu einigen, wie man mit Konflikten umgeht, welche Erwartungen man hat und wer welche Entscheidungsgewalt besitzt. „Ein gemeinsames Unternehmen muss man wie eine Beziehung sehen, in der sich Partner mit der Zeit entwickeln und voneinander lernen. Ein gutes Team entwickelt auch eine gesunde, sachliche Streitkultur“, so Riedel-Schönfeld. „Die formalen Seiten der Gründung, wie der Gesellschaftervertrag, sind dabei nicht Ausdruck des Misstrauens, sondern vielmehr ein Bekenntnis zu gemeinsamen Zielen und Ideen.“ Sich dabei von einem Rechtsanwalt und Steuerberater beraten zu lassen sei sinnvoll, ebenso wie Strategieworkshops um die Ressourcen zu stärken.

Ähnlich formuliert das auch Jens Nachtwei, Unternehmensberater und Diplom-Psychologe an der Humboldt-Universität. „Damit die Chemie im Team stimmt, sollten zunächst formale Aspekte sichergestellt sein“, sagt er. „So bietet es sich an, einen Gesellschaftervertrag aufzusetzen, in dem die Aufgaben und Verbindlichkeiten, die Rechte und Entgeltmodalitäten festgehalten werden. Dazu sollte ein Organigramm definiert werden, um die einzelnen Verantwortungsbereiche voneinander abzugrenzen, sonst steigt die Gefahr der Verantwortungsdiffusion. Hier fühlt sich im schlechtesten Fall niemand angesprochen und bestimmte Dinge versanden, werden zu spät oder unter gegenseitigen Schuldzuweisungen angegangen.“

Insbesondere beim Thema Freundschaft und Gründung rät er zu Vorsicht. „Es macht zu Beginn vieles einfacher, man weiß einfach, wie die anderen fühlen und denken. Auch ist es einfacher, einen Freund am Wochenende anzurufen, um Dringendes zu besprechen. Genau diese Distanzlosigkeit kann später zum Problem werden, wenn die Pionierzeit vorbei ist.“ Daher sollten sich Geschäftspartner immer darüber im Klaren sein, dass auch wasserdichte Verträge nicht vor Streitigkeiten bewahren können. Viel wichtiger sei eine zwischenmenschliche Stabilität.

Genau das ist es, was Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit, bekannt als das Gründerteam der Architektengesellschaft Graft, so erfolgreich macht. Sie kennen sich seit der Studienzeit, in der sie gemeinsam im Zeichensaal saßen und vor allem zusammen musiziert haben. „Das hat unseren Umgang miteinander geprägt“, sagt Thomas Willemeit. „Um Harmonie zu erzeugen, muss man sich selbst auch zurücknehmen können, dem anderen zuhören und am Ende die beste Idee unterstützen. Das haben uns die Jam-Sessions gelehrt.“ Dabei herrscht bei Graft nicht immer eitler Sonnenschein, im Gegenteil. Hier wird heftig gestritten, aber, so Willemeit, immer sachlich und mit dem Ziel vor Augen, die beste Lösung zu finden.

Als Repräsentanten der diesjährigen deGUT rät er künftigen Teams immer ehrlich zueinander zu sein und nur dann gemeinsam an den Start zu gehen, wenn alle sich auch darüber einig sind, dass der gemeinsame Weg der beste ist, um das Eigene voranzubringen. Tong-Jin Smith

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