Zeitung Heute : Zur Freiheit

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DIE MUTTER

Rabiye Kurnaz , gebürtige Türkin, kam 1971 nach Deutschland. Ihr Sohn Murat wuchs wie seine anderen drei Geschwister in Bremen auf. Über Murat, der mehr als vier Jahre in Guantanamo saß, sagt sie heute: „Er hat sich verändert. Er ist schnell genervt, wenn ihm etwas nicht passt. Früher war er einfach fröhlicher und unbeschwerter.“ Murat war 19 Jahre alt, als er im Oktober 2001 nach Pakistan flog, zusammen mit einem Freund und ohne das Wissen seiner Mutter. Dort wurde er von US-Soldaten verhaftet und nach Afghanistan gebracht. Murats Mutter erfuhr erst im März 2002 von seinem Schicksal. Sie schrieb an den damaligen Bundesaußenminister Joschka

Fischer, bat ihn um Hilfe. Sie wandte

sich an die türkische Botschaft – und sie schaltete einen Anwalt ein, Bernhard Docke.

DER VERTEIDIGER

Bernhard Docke , Rechtsanwalt aus Bremen, ist im Dezember 2006 durch die Internationale Liga für Menschenrechte mit der Carl-von-OssietzkyMedaille ausgezeichnet worden. Obwohl das Gefangenenlager Guantanamo ein rechtsfreier Raum ist, gelang es Bernhard Docke und seinem amerikanischen Kollegen Baher Azmy, grundlegende Rechte für Murat Kurnaz zu erstreiten und mithilfe von Öffentlichkeit und Politik im Sommer 2006 seine Freilassung zu erreichen. Doch für Docke ist der Fall damit nicht abgeschlossen. Untersuchungsausschüsse des Bundestages sollen nun klären, welche Beteiligung die deutsche Regierung an dem Schicksal Kurnaz’ hatte – und welche Rolle Frank-Walter Steinmeier gespielt hat.

DER BESCHULDIGTE

Frank-Walter Steinmeier , Bundesaußenminister und unter der rot-grünen Regierung Chef im Bundeskanzleramt, soll vor dem Untersuchungsausschuss erklären, ob die damalige Regierung eine Freilassung Murat Kurnaz’ aus Guantanamo verhindert hat. Es gibt Dokumente, die nahelegen, dass es von US-Seite im Herbst 2002 ein Angebot

gab, Kurnaz auf freien Fuß zu setzen

– aber offenbar mit Bedingungen.

„Mir ist kein offizielles Angebot bekannt“, hat Steinmeier gesagt. Die Bundesregierung entschied damals, Murat Kurnaz nicht nach Deutschland einreisen zu lassen. Deutsche Behörden hätten ihn als gefährlich eingestuft, verteidigte Frank-Walter Steinmeier heute diese Entscheidung.

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