Zeitung Heute : Zur Gesundung der Finanzen

Viele Krankenkassen erhöhen im Januar die Beiträge. Das Münchner Institut IfG prognostiziert nun auch im Zusammenhang mit dem ab 2009 geltenden Gesundheitsfonds steigende Kosten. Auf was müssen sich gesetzlich Versicherte einstellen?

Cordula Eubel

Fragt man Krankenkassenmanager, so sind die sich weitgehend einig: Für die Versicherten wird die Gesundheitsversorgung ab 2009 teurer. Wie stark die Beiträge steigen werden, ist allerdings umstritten. Der Chef der Barmer Ersatzkasse prognostizierte kürzlich, dass im nächsten Jahr die Beiträge von zurzeit rund 14,8 Prozent auf die neue Rekordmarke von 15,5 Prozent steigen könnten. Eine Prognose, die sich nun auch das Münchner Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) zu eigen macht – und die das Gesundheitsministerium umgehend als „unseriöse Mutmaßungen“ zurückwies.

Im Moment verlangen die rund 210 gesetzlichen Krankenkassen im Monat zwischen 12,2 und 16,7 Prozent. Ab 2009 aber legen die Kassen ihre Beitragssätze nicht mehr individuell fest, sondern das Gesundheitsministerium gibt einen einheitlichen Satz vor, der sich nach den Ausgaben in diesem Jahr richtet. Die Versicherten zahlen dann in den Gesundheitsfonds ein, aus dem die Kassen finanziert werden. Kommt eine Kasse mit dem zugewiesenen Geld nicht aus, so muss sie Zusatzbeiträge von ihren Versicherten verlangen. Für Kassenmanager keine attraktive Vorstellung, da sie Mitglieder an andere Kassen verlieren könnten, die von ihren Kunden keine Extraprämie kassieren.

Der Gesundheitsfonds führt nach Ansicht des Wissenschaftlers Günter Neubauer dazu, dass die Kassen 2008 ein Interesse an möglichst hohen Ausgaben haben, weil sie so einen Puffer für das Jahr 2009 aufbauen können. In einer 10-seitigen Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft kommt Neubauer zum Ergebnis, dass auf die Kassen unter dem Strich Mehrausgaben von sieben Milliarden Euro zukommen – das entspricht einem Anstieg der Beiträge auf 15,5 Prozent.

Für 44 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung würde das eine zusätzliche Belastung bedeuten. Im Extremfall müsste ein Versicherter mit einem Jahreseinkommen von 43 200 Euro bis zu 712 Euro mehr im Jahr zahlen als bisher (das gilt zum Beispiel für die kleinen Betriebskrankenkassen BKK BJB und die B&V BKK). Zu den größten Profiteuren würden laut der Studie die rund 1,1 Millionen Versicherten der AOK Berlin, Mecklenburg-Vorpommerns und des Saarlandes gehören, die je nach Einkommen mit Entlastungen um bis zu 260 Euro rechnen könnten.

Ob die Voraussagen des Münchner Instituts am Ende eintreffen werden, ist allerdings fraglich. So weisen die Zahlen einige Ungereimtheiten auf. Die Forscher rechnen zum Beispiel damit, dass die Kassen bereits zum Start des Gesundheitsfonds 2009 ein Finanzpolster von drei Milliarden Euro aufgebaut haben müssen, tatsächlich muss dies innerhalb von drei Jahren aufgebracht werden. Außerdem berücksichtigten sie nicht, dass der Steuerzuschuss an die Kassen noch einmal um 1,5 Milliarden Euro steige, wie das Gesundheitsministerium bemängelt.

Unbestritten ist aber, dass die Ausgaben der Kassen weiter steigen werden, unter anderem für Medikamente. Allein die Reform der Arzthonorare ab 2009 wird die Kassen mit zwei bis drei Milliarden Euro zusätzlich belasten – das entspricht 0,2 bis 0,3 Beitragspunkten. Außerdem müssen einige Kassen bis Ende 2008 ihre Schulden abbauen, betroffen sind vor allem Ortskrankenkassen im Westen.

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