Zeitung Heute : Zurück aus der Lebenskrise

Hans-Peter Sick

Stev Theloke holt bei der Schwimm-Europameisterschaft in Madrid die Bronzemedaille über 100 m Rücken

Madrid. Vor zwölf Monaten wollte Stev Theloke seine Karriere beenden. Er hat es sich anders überlegt. Und setzt nun Zeichen. Bei den Schwimm-Europameisterschaften in Madrid schlug der Wahlberliner nach 55,39 Sekunden über 100 m Rücken an. Er wurde damit Dritter, nur knapp hinter dem Überraschungssieger Laszlo Cseh aus Ungarn und dem hohen Favoriten Markus Rogan aus Österreich. Es war die erste Medaille für die kleine deutsche Mannschaft.

„So schnell kann es gehen“, sagte der für den SC Chemnitz schwimmende Theloke im kühl-verregneten Madrid. Er war nach den Rennen wieder mit sich im Reinen. „Jetzt hängt mein persönlicher Haussegen wieder gerade.“ Die Bronzemedaille soll indes erst ein Anfang sein. Gerne würde er sich auch für die Olympischen Spiele in Athen qualifizieren, angesichts der Konkurrenz mit Thomas Rupprath (Wuppertal) und dem WM-Vierten Steffen Driesen (Uerdingen) an der Spitze kein leichtes Vorhaben.

Mit seiner Leistung im Madrid hat Stev Theloke aber gezeigt, dass mit ihm zu rechnen ist. Auch wenn er die vom Deutschen Schwimm-Verband (DSV) geforderte Olympia-Norm (55,00) nicht geschafft hat. Es hätte ihm einen Bonus bei der Qualifikation für Athen gebracht. Theloke nahm es nicht so tragisch. „Bei diesen Witterungsverhältnissen muss ich mit meiner Leistung einfach zufrieden sein“, sagte er. In Madrid regnete es in Strömen. Zumindest Bundestrainer Manfred Thiesmann entdeckte aber einen kleinen Makel: „Stev hätte durchaus auch gewinnen können.“ Wie halt vor zwei Jahren, als er in Berlin mit damaligem Europarekord den Titel holte.

Danach geriet er in eine Lebenskrise. Auf dem Höhepunkt trennte er sich von seiner Trainerin Ute Schinkitz, die 14 Jahre lang alle sportlichen Höhen und Tiefen mit ihm durchlebt hatte. Mit dem Schwimmsport hatte er nicht mehr viel im Sinn, er dachte ans Aufhören. Ralf Beckmann (Kassel), Sportdirektor im DSV, stimmte ihn um. Inzwischen ist Stev Theloke in Berlin gelandet. Er trainiert bei Beate Ludewig, zusammen mit Sandra Völker und Katrin Meißner.

Von seiner Trainerin bekam Theloke aus der Ferne auch noch die letzten Tipps für das Finale in Madrid. „Als ich das Halbfinale gesehen habe, habe ich zum Telefon gegriffen und ihm gesagt, er soll an seinen Beineinsatz im Rennen denken“, sagt Ludewig. Es half offenbar. Nicht zuletzt deshalb hält Theloke auf die nicht unumstrittene Trainerin große Stücke. Bei einem zweiwöchigen Trainingslager auf Mallorca haben Trainerin und Schwimmer ihre Arbeitsweisen angeglichen. „Wir verstehen uns echt klasse“, sagt Theloke jetzt und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „So langsam verstehe ich die Frauen besser.“

Vor der Olympia-Qualifikation im Rahmen der deutschen Meisterschaften in Berlin (4. bis 8. Juni) hat Stev Theloke noch einen anderen Tag dick im Kalender angestrichen: den 22. Mai. Dann erwartet er zusammen mit seiner Freundin Bea Nachwuchs. Ablenken lassen will er sich dadurch nicht. „Ich hoffe, ich habe dann bei den Titelkämpfen in Berlin meinen Kopf frei und kann mich auf mein Rennen konzentrieren.“

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