Zeitung Heute : Zurück im Leben

17 Geiseln sind gerettet und auf dem Heimweg – um 15 weitere wird noch gebangt

Ralph Schulze[Madrid/Algier]

TERROR IN ALGERIEN – DIE BEFREIUNG DER GEISELN

Frei

Von Ralph Schulze,

Madrid/Algier

Die Umstände der Befreiung sind bisher genauso rätselhaft wie die Hintergründe der gesamten Entführungsaktion. Der algerische Generalstab teilte am Mittwoch lediglich mit, dass Spezialeinheiten der algerischen Armee bereits in der vorangegangenen Nacht das Geiselversteck westlich der Oasenstadt Illizi in der Nähe von Amguid mit Waffengewalt gestürmt und die Geiseln befreit hätten. Bei den Geiselgangstern handele es sich um Extremisten der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ (GSPC), die sowohl dem westlich gesinnten algerischen Staat als auch Europa den „heiligen Krieg“ erklärt hat. Andere Berichte sprachen jedoch von einer Befreiungsaktion weiter im Süden, in der Nähe der Wüstenstadt Tamanrasset. Ob es sich dabei um die gleiche Operation oder um einen zweiten Schlag handelt, war zunächst unklar. Den inoffiziellen algerischen Quellen zufolge gab es „schwere Zusammenstöße“ zwischen algerischen Truppen und einer Gruppe der bewaffneten Entführer. Dabei seien neun Terroristen getötet worden. Dass es auch unter Soldaten und Geiseln Opfer gab, könne nicht ausgeschlossen werden. Westliche Diplomaten sagten, ihnen seien Opfer unter den Touristen „nicht bekannt“. Schon seit Wochen wurde vermutet, dass die Kidnapper sich in zwei Gruppen geteilt haben und sich in den Wüstengebirgen westlich Illizis und in der Umgebung Tamanrassets verbergen.

Der Militärschlag zur Befreiung der Entführten wurde von westlichen Diplomaten nicht bestätigt. Deutschlands Außenminister Fischer war am Montag in Algier von der algerischen Regierung über die Situation der Geiseln und vermutlich auch über die bevorstehende Befreiungsaktion informiert worden. Fischer hatte zehn Stunden mit Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika und anderen Regierungsvertretern die Lage besprochen. Fischer hatte dabei betont, dass Deutschland eine „gewaltlose“ Befreiung wünsche. Ob auch mögliche Forderungen der Geiselnehmer, wie etwa die Zahlung eines Lösegeldes zur Sprache kamen, oder der von Berlin gewünschte Einsatz westlicher Sicherheitsexperten an jeglichen Befreiungsoperationen, ist unklar. Auch am Mittwoch hielten sich Gerüchte, es habe Verhandlungen mit den Entführern gegeben.

Sofort ins Militärhospital

„Was deutsche Sicherheitskräfte in Algerien gemacht haben, gehört zu den Details, die ich nicht mitteilen möchte“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Berlin. Zugleich wurde in der deutschen und der Schweizer Regierung Ärger laut, dass die österreichischen und algerischen Behörden mit der Meldung von der Befreiungsaktion am frühen Mittwochmorgen vorpreschten. Damit werde das Leben der noch nicht geretteten Geiseln gefährdet, hieß es. Am Mittwochmorgen hatte Innenminister Schily gesagt, die Lage der noch Festgehaltenen sei „prekär“, aber es gebe die „berechtigte Hoffnung, dass auch die anderen Vermissten bald in Freiheit sind“.

Die Befreiten wurden nach ihrer Rettung nach Algier geflogen und dort in einem Militärhospital ärztlich versorgt. Später wurden sie den diplomatischen Vertretern ihrer Länder übergeben. In den Botschaftsgebäuden warteten sie auf den Rückflug in die Heimat. Die Familien in Deutschland und Österreich waren schon in der Nacht zum Mittwoch aus dem Bett geklingelt und von ihren Angehörigen oder der Polizei informiert worden.

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