Zeitung Heute : Zurück ins Regal

Maren Peters

Trittin und Stoiber sind sich einig: Das Pfandsystem muss einfacher werde n. So sollen auch Alcopops und Sportdrinks einbezogen werden. Was kostet das?

Nun sind wohl auch Erfrischungsgetränke wie Eistee, Sportdrinks und Alcopops an der Reihe – wer sie kauft, muss wahrscheinlich demnächst Dosenpfand bezahlen. Wie sich das auswirkt, hängt in erster Linie davon ab, wie der Handel reagiert, wenn sich Bayern mit seinem Vorschlag am Freitag im Bundesrat durchsetzt. So könnten die Discounter und Supermärkte auf die Idee kommen, Eistee und Alcopops künftig ganz aus den Regalen zu verbannen. Viele haben das zuvor schon mit Bier- und anderen Dosen gemacht, die mit der Einführung des Dosenpfands pfandpflichtig wurden. In diesem Fall würden den Händlern natürlich Umsatzeinbußen entstehen. Das Dosenpfand in der jetzigen Form hat den Handel nach Angaben des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) rund eine halbe Milliarde Umsatzverlust beschert. Es könnte deutlich mehr werden, wenn der Handel auch alle anderen nicht kohlensäurehaltigen Getränke auslistet.

Die Händler könnten sich aber auch entschließen, Eistee und Sportgetränke trotz Pfandpflicht weiter anzubieten. Bislang sind rund acht Milliarden Verpackungen pfandpflichtig, künftig würden nach Angaben des HDE noch einmal 1,8 Milliarden hinzukommen. Für die Rücknahme dieser Verpackungen fallen Kosten an, entweder durch die Aufstellung von Rücknahmeautomaten oder die Einstellung neuer Mitarbeiter, die die Dosen und Flaschen per Hand zurücknehmen – eine Lösung, die die meisten Händler bislang bevorzugen. Die Kosten dafür hat die Unternehmensberatung Roland Berger in einer Studie mit fünf Cent pro Verpackung beziffert. Bei 1,8 Milliarden Verpackungen müsste der Handel also 900 Millionen Euro zusätzlich einkalkulieren. Bayern selbst setzt dagegen nur einen Cent pro Verpackung an, was der Handel für deutlich zu niedrig hält.

Und der Verbraucher? Er müsste vor allem Muskelkraft aufwenden, um jetzt auch noch seine Eisteedosen ins Geschäft zurückzutragen. Die Kosten dafür kann aber niemand beziffern.

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