Zeitung Heute : Zurück zur alten Stärke

Der wiederbelebte Kunst- und Kulturverein bringt Tegeler für Tegel zusammen

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Geschäftsleute, Hausbesitzer, Sportvereine und Anwohner ziehen in Tegel wieder an einem Strang. Nachdem die überwiegend von Ladenbesitzern gegründete AG Tegel im Streit zerfallen war, wurde auf Initiative von Michael Grimm der Kunst und Kulturverein wiederbelebt – mit nun bereits mehr als 100 Mitgliedern.

„Der vor 20 Jahren gegründete Verein existierte zuletzt nur noch als Stammtischrunde“, sagt Grimm, der Inhaber der traditionsreichen, vor 102 Jahren gegründeten Goldschmiede Denner in der Brunowstraße. Jetzt hat man in der Schulstraße eine Geschäftsstelle eröffnet, die mit ehrenamtlichen Mitarbeitern besetzt ist. Hier residiert auch der Redakteur der eigenen, monatlich erscheinenden Kiezzeitung.

Ganz bewusst verzichtet der Verein auf Mitgliedsbeiträge. Dem Finanzstreit bei der AG will man ebenso aus dem Weg gehen wie der Konzentration auf Geschäftsleute, die hier nur rund die Hälfte der Mitglieder ausmachen. Eine reine Interessenvertretung der Kaufleute ist nicht mehr zeitgemäß, meint Grimm. Über Sportvereine, die ebenfalls eingetreten sind, will man sich auch in der Jugendarbeit engagieren.

„Es sind die gleichen Themen wie vor 20 Jahren“, sagt Michael Grimm: „Die Straßen drohen zu verslumen.“ Beim Alt-Tegeler Sommerfest Anfang August will man in der Gorkistraße mit einer Kunst- und Musikmeile ein kulturelles Gegenstück zum klassischen Straßenfest veranstalten. Und auch die Tradition der Tegeler Herbstbälle, zu denen einst Stars wie Harald Juhnke und Michael Schanze kamen, soll wieder aufleben. Auftakt ist am 22. Oktober, Stargast im Palais am See wird Dagmar Frederic sein.

Wie alle anderen Stadtzentren leidet auch Tegel unter dem enormen Strukturwandel, einem Boom nach dem Mauerfall sei der Zusammenbruch nach der Einführung des Euro gefolgt – so erklärt Grimm die leer stehenden Geschäfte und die vermehrte Ansiedlung von Ramschläden. „Doch das Tal der Tränen ist erreicht.“ Man muss wieder etwas daraus machen, sagt Grimm, „wer bis jetzt überlebt hat, wird weiter leben“.

Die Resonanz auf den neuen Verein ist größer als erwartet. Der Initiator rechnet bis zum Jahresende mit mehr als 200 Mitgliedern. Es gelte, wieder das Kleinstadtflair herauszustellen, den Zusammenhalt aller Beteiligten zu stärken und stärker mit den Kunden zu kommunizieren. Michael Grimm ist überzeugt: „Tegel hat eine Zukunft.“ du-

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