Zeitung Heute : Zuschlag fürs Traumhaus

Eins, zwei, meins:  Was Bieter bei der Vorbereitung auf eine Versteigerung beachten sollten

Unter dem Hammer. Obwohl die Preise oft unter dem Verkehrswert liegen, sind Schnäppchen bei Zwangsversteigerungen selten. Foto: picture-alliance/gms
Unter dem Hammer. Obwohl die Preise oft unter dem Verkehrswert liegen, sind Schnäppchen bei Zwangsversteigerungen selten....Foto: picture-alliance/ gms

Mehr als 82 000 Immobilien kamen 2010 unter den Hammer. Bei Zwangsversteigerungen liegen die Preise oft unter dem Verkehrswert. Weiterer Vorteil ist, dass die Kaufnebenkosten deutlich geringer sind als die Notar- und Grundbuchgebühren, die sonst fällig sind. Trotzdem gibt es das Wahnsinnsschnäppchen kaum. Denn meist bieten Profis mit.

Wichtig ist eine gute Vorbereitung. Die Versteigerungstermine teilt das Amtsgericht mit, oder man schaut im Internet nach, etwa unter www.zvg-portal.de. Wer ein Objekt gefunden hat, sollte im Amtsgericht das Wertgutachten einsehen, das ein unabhängiger Gutachter erstellt hat. Verlass ist darauf aber nur bedingt. Denn viele Schuldner lassen niemanden zur Besichtigung herein. In diesem Fall wird der angesetzte Wert um einen Sicherheitsabschlag gemindert. Trotzdem kann der wahre Wert abweichen. Außerdem vergehen zwischen Gutachten und Versteigerung mitunter Monate oder Jahre. Wenn möglich, sollten Interessenten die Immobilie selbst besichtigen, am besten mit einem Sachverständigen.

Wichtig ist auch ein Blick ins Grundbuch. Zwar werden die Objekte in der Regel schuldenfrei erworben. Es können aber Lasten bleiben, etwa Wegerechte oder ein Wohnrecht. Nicht im Grundbuch steht, ob die Immobilie vermietet ist. Der neue Eigentümer kann nur bei berechtigtem Interesse kündigen, etwa bei Eigenbedarf. Wohnt der Schuldner selbst im Haus, ist die sofortige Kündigung möglich. Oft wird aber eine teure Zwangsräumung fällig.

Vor der Versteigerung sollten Interessenten die Finanzierung sicherstellen. Außerdem müssen sie damit rechnen, dass im Termin eine Sicherheitsleistung in Höhe von zehn Prozent des Verkehrswerts verlangt wird. Dafür reicht eine Bankbürgschaft oder ein Verrechnungsscheck der Bank, nicht aber ein Privatscheck. Alternativ können Bieter den Betrag vorher an die Gerichtskasse überweisen.

Für die Taktik im Termin gibt es keine klare Regel. Oberstes Gebot: ein Limit setzen und sich unbedingt daran halten. Also nicht dem Bietrausch verfallen. Sinnvoll ist eine krumme Summe. Ein Bieter schlägt mit 103 000 alle anderen, die bei 100 000 aussteigen. Bleibt das höchste Gebot unter der Hälfte des Verkehrswerts, wird der Zuschlag verweigert. Diese 5/10-Grenze soll vermeiden, dass das Objekt zum Schleuderpreis weggeht. Bleibt es unter der 7/10-Grenze, kann der Gläubiger den Zuschlag verweigern. In beiden Fällen geht das Objekt in einen zweiten Termin. Dann gelten beide Grenzen nicht mehr.

Tipp: Es kann auch Erfolg bringen, noch vor der Versteigerung mit der Gläubigerbank über einen Kauf zu verhandeln. Bei so einem Rettungserwerb kommen Interessenten preisgünstig zum Zug. Ob billiger oder teurer als in der Versteigerung, ist zwar ungewiss. Dafür haben sie das Objekt sicher.

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