Zeitung Heute : Zuses später Dank

HANS-PETKO TEUCHERT

Hoyerswerda erhält mit dem Z 22 einen Computer-OldtimerVON HANS-PETKO TEUCHERTHoyerswerda hat jetzt ein Ausstellungsstück aus der Geschichte des Computers, um das die Stadt Technikmuseen in der ganzen Welt beneiden werden.Der 3,5 Tonnen schwere Großrechner Z 22 des Computererfinders Konrad Zuse aus den 50er Jahren wird jetzt im Computermuseum im Lausitzer Technologiezentrum (Lautech) überholt und soll danach der Öffentlichkeit präsentiert werden. Der in Hoyerswerda aufgewachsene Zuse (1910-1995) hatte in den 50er und 60er Jahren 80 Rechner des Typs Z 22 sowie weitere Computer gebaut.Viele Großrechner wurden von Banken, Konzernen und Behörden gekauft.Kurz vor seinem Tod versprach Zuse, ein Exemplar der Z 22 von der Stadt Hünfeld in der Hessischen Rhön, wo Zuse 40 Jahre lebte, an den Ort seiner Kindheit zu bringen. Die Stadt Hünfeld hielt Zuses Wort und schickte den Rechner im "Möbel-Koffer" nach Hoyerswerda.Nun besitzt die Stadt neben der hessischen Stadt einen der wenigen noch erhaltenen Großrechner von Zuse.Kurzerhand beschlossen die Hoyerswerdaer, für den Großrechner und andere Perlen der Technikentwicklung ein neues Heim zu schaffen.Bisher ist die Ausstellung recht beengt in einem Gebäude im Industriegebiet der Lausitzstadt untergebracht.Voraussichtlich Anfang September zieht die Ausstellung in den 2.und 3.Stock der Altstadt-Post um.Dort hatte Konrad Zuse als Sohn des Postmeisters gewohnt und sich 1927 auf das Abitur vorbereitet. 1941 hatte Zuse in Berlin den ZUSE Z 3 als ersten vollautomatischen, programmgesteuerten Rechenautomaten gebaut.Das war noch vor dem Amerikaner Howard H.Aiken, dessen "Mark 1" 1944 an der Harvard-Universität Boston in Betrieb ging.In den 50er und 60er baute seine Konrad Zuse KG in Bad Hersfeld mit mehr als 1000 Beschäftigten vor allem Großrechner.Nur wenige wußten damals, daß der zu diesem Zeitpunkt in Deutschland erfolgreiche Unternehmer durch seine Erfindung von 1941 der eigentliche Vater des Computers war. Das bisher von der "Seniorenakademie" der Lautech in freiwilliger Arbeit betreute Museum in Hoyerswerda verfügt heute über zahlreiche Raritäten aus der Computergeschichte.Dazu zählen 30 funktionierende Rechner aus fünf Jahrzehnten.Sie zeigen im Ost-West-Vergleich seltene Exponate wie den ersten PC der Firma Commodore PET 2001 von 1977 oder den Lern- und Experimentiercomputer von Mikroelektronik Erfurt.Der im vergangenen Jahr aufgestellte "Robotron K 1840" wurde 1989 als einer der letzten in der DDR gebaut.Ihm gegenüber erhielt der Z 22 den vorläufigen Ehrenplatz.

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