Zeitung Heute : Zwei Sprachen, eine Frequenz

Deutsche Welle und RFI träumen von einem europäischen Radio

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Wer sich auf Französisch in Berlin im Radio informieren will, kann dies bei RFI – Radio France International auf UKW 106 Megahertz täglich tun. Wer aber hofft, sich in Paris auf Deutsch die Informationen über UKW aus dem Äther zu holen, sucht vergebens. Zuständig für die Versorgung mit originalsprachigen Programmen im jeweiligen Land sind die nationalen Auslandswellen – die Deutsche Welle und Radio France International. Eine UKWFrequenz für die deutsche Welle in Paris – das wäre ein Traum, aber vorerst nicht realisierbar, sagt Gérard Foussier, Leiter der Europa-Projekte bei der Deutschen Welle in Köln.

Aber wie wäre es, wenn man nicht nur in der Verteidigung, in der Raumfahrt oder beim Jugendaustausch kooperiere, sondern auch im Hörfunk? Wie wäre es, wenn sich die öffentlich-rechtlichen Anstalten Deutschlands und Frankreichs eine UKW-Frequenz teilten, um aus beiden Ländern gemeinsamen ein „Best of“ im Originalton zu senden? Auf dieser gemeinsamen Frequenz wären dann beispielsweise zum Thema EU-Gipfel Kommentare aus beiden Ländern im O-Ton zu hören, von den ARD-Anstalten und der Deutschen Welle sowie von Radio-France-Sendern und RFI. Zudem ließe sich noch Geld sparen, denn die Kurzwelle, auf der die Deutsche Welle sendet, ist teuer.

Foussiers Traum ist es, aus den Konkurrenten immer mehr Partner zu machen und so dem deutsch-französischen Verhältnis einen neuen Impuls zu geben. Eine Idee, die die Deutsche Welle nun zum deutsch-französischen Jubiläum zur Diskussion stellt. Kooperationen zwischen den beiden Auslandssendern und der BBC-World existieren bereits. Unter dem gemeinsamen Namen Radio E werden Europa-Magazine in den drei Sprachen gesendet.

Ein Auslandssender kann nicht im Inland aktiv werden, aber der jeweilige Partner könnte den anderen Sender mitnehmen und sogar einen weiteren hinzuschalten. Wirklich europäisch wird es nach Ansicht von Foussier erst, wenn man die Inhalte dieser Frequenz – Themen von europäischem Zuschnitt – auch in den Mitteleuropäischen Ländern, die in die EU streben, ausstrahlt. „Deutsch, Französisch plus die Landessprache“ ist für Gérard Foussier die Formel für die Zukunft eines europäischen Radioprogramms in Budapest oder Vilnius. In den Beitrittsländern müssen dann ebenfalls gemeinsame Frequenzen gefunden werden.

„RFI ist auf jeden Fall an diesem Projekt sehr interessiert. Wir stoßen damit genau in ein Vakuum“, sagt Foussier. „Wir haben kein Geld, aber gute Ideen.“ R.B.

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