Zeitung Heute : Zweischneidige Datensammler

PETER ZSCHUNKE (AP)

CeBIT-Trend: Neue Programme optimieren Informationsflüsse in Hinblick auf den KundenVON PETER ZSCHUNKE (AP)Nach Kohle und Erz ist jetzt die Information zum wichtigsten Rohstoff der Volkswirtschaft geworden.Für den systematischen Abbau dieser Ressource haben Software-Firmen das Schlagwort vom Data Mining erfunden: Datenbergbau.Die geborgenen Schätze kommen ins Data Warehouse, ins Datenlager.Und für die Verknüpfung aller in einem Unternehmen versammelten Kenntnisse und Kapazitäten gibt es das Wissens-Management.Wer die CeBIT in Hannover besucht, begegnet diesen Schlagwörtern auf Schritt und Tritt.Angesichts wachsender Konkurrenz sammeln immer mehr Unternehmen verstärkt Daten über Kunden, Mitbewerber und Produkte."Auch wenn es keiner ausspricht", sagt der Geschäftsführer der Softwarefirma Sqribe Technologies GmbH, Eckhard Voigt, "das Ziel ist der gläserne Kunde, dessen Bedarf, Finanzkraft und Einkaufsgewohnheiten die Anbieter möglichst genau kennenlernen wollen." Voigt leitet die deutsche Tochterfirma des kalifornischen Spezialisten für die Aufbereitung von Informationen aus großen Datenbeständen.Nur selten ahnen Verbraucher, welche persönlichen Gewohnheiten oder Vorlieben bei Privatunternehmen gespeichert werden.In den USA werden Flugpassagiere seit Beginn des Jahres mit Data Mining von den Fluggesellschaften auf einen möglichen Terrorismusverdacht untersucht: Wenn beim "Computer-assisted Passenger Screening" (Caps) beispielsweise wiederholte Reisen in arabische Länder festgestellt werden, fallen Gepäckkontrollen oder Untersuchung durch Sicherheitskräfte besonders gründlich aus.In der Kundenzeitschrift der Firma Sybase lobt American-Airlines-Manager John Hagen kürzlich die Datenbank-Technologie Sybase IQ, mit der sich die Datenspürhunde der Fluggesellschaft "wie Kinder im Eissalon mit unbegrenztem Taschengeld" fühlen dürfen."Inzwischen haben wir 60 Leute, die sich in jeder Richtung durch die Daten bohren und allerhand nützliche Informationen zu Tage fördern."Data Mining hat die Fähigkeit, Fragen zu beantworten, die gar nicht gestellt werden.So wirbt etwa die amerikanische Computerfirma NCR zur CeBIT damit, daß ihre neueste Version der Datenbank Teradata in der Lage ist, "im Data Warehouse bestimmte Muster oder Auffälligkeiten in Unternehmensdaten selbständig aufzufinden, zusammenzuführen und komplexe Analysen zu vereinfachen".Damit aus Daten auch Informationen werden, verknüpft Data-Mining-Software alle möglichen Eingaben, wie sie etwa bei einem Kaufvertrag automatisch anfallen, und überprüft sie auf mögliche Zusammenhänge.Neben der Verfeinerung der Analysewerkzeuge trägt die Bündelung einzelner Datenbanken in einem zentralen Data Warehouse zu einer höheren Informationsdichte bei.Die beispielsweise in Produktion, Vertrieb und Marketing erhobenen Daten bleiben nicht mehr in der Abteilung, sondern werden für den unternehmensweiten Zugriff aufbereitet.Alle Anfragen sollen jederzeit - auch im Online-Zugang - beantwortet werden können, wobei Daten nach unterschiedlichsten Perspektiven und Erhebungszeiträumen betrachtet werden können.Von den Daten über die daraus gewonnenen Informationen gelangt man schließlich zur nächsten Stufe, dem Wissen.Viele Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen von Mitarbeitern eines Unternehmens liegen oft brach, weil sie dort nicht zur Verfügung stehen, wo sie gerade gebraucht werden könnten.Abhilfe könnte gezielte Kommunikation im Intranet schaffen, dem auf Internet-Standards beruhenden Computernetz eines Unternehmens.Auf die hierfür bereits entwickelte sogenannte Groupware wie Lotus Notes baut etwa die Stuttgarter USU AG auf, die in ihrer "Erfahrungsdatenbank ValueBase" das in den Projekten des Beratungsunternehmens angefallene "intellektuelle Kapital" aufbereitet.Neben den Erfahrungen mit der Technik und dem Einsatz bestimmter Organisationsmodelle wird dabei auch nach dem menschlichen Umfeld gefragt.

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