Zeitung Heute : Zweite Chance für Spätberufene

In Berufsschulen sind Seiteneinsteiger mit technischem Know-how besonders gerne gesehen

Regina-C. Henkel

Der allererste Satz auf der Internetseite www.lehrer-werden.de macht nicht nur Lehramtsstudenten und -absolventen zuversichtlich: „Der Beruf der Lehrerin und des Lehrers in Berlin und Brandenburg ist ein Beruf mit Zukunft.“ Auch wer nach einem Diplom- oder Magisterstudium zunächst in der privaten Wirtschaft gearbeitet und seine pädagogische Neigung erst später erkannt hat, kann sich Chancen auf einen Seiteneinstieg in den Lehrerberuf ausrechnen. Die Zukunftsofferte gilt auch für „Spätberufene“.

Bereits seit 1999 besteht in Berlin für Bewerber „mit ausgewählten Hochschulabschlüssen“ die Möglichkeit, in den so genannten Vorbereitungsdienst eingestellt zu werden. Dabei wird die erworbene akademische Abschlussprüfung der Ersten Staatsprüfung gleichgesetzt, so dass für den Seiteneinsteiger später sogar die Beamtenlaufbahn offen steht. Hochschulabsolventen, die als „Lehrer ohne volle Lehrbefähigung“ vorwiegend an Oberstufenzentren eingesetzt werden, haben diese Chance nicht. Doch immerhin werden auch sie nicht schlecht bezahlt, nämlich nach BAT III. Viel wichtiger aber noch: Ihr Know-how ist besonders gefragt. Lehrer in der Berufsbildung stellten in den Haushaltsjahren 2001 bis 2003 stets ein großes Kontingent der insgesamt 105, 62 und zuletzt nur noch 17 eingestellten Seiteneinsteiger.

Aus den rückläufigen Zahlen sollten Interessierte Akademiker keine falschen Schlüsse ziehen: Weil im Jahr 2002 die Arbeitszeit für Lehrer erhöht wurde, hatte Berlin plötzlich eine Auslastung von 107 Prozent. Dies und die Haushaltssperre veranlasste die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, auf der Homepage www.sensjs.berlin.de unter dem Stichwort „Schule“ mitzuteilen: „Während des zurzeit bestehenden Einstellungsstopps ist kaum mit Einstellungen zu rechnen“. Doch nur einen Satz später heißt es, dass „im Bedarfsfall“ Stellenausschreibungen – etwa im Tagesspiegel – veröffentlicht werden.

In den Stellenteil der Zeitungen zu schauen, lohnt sich auch in anderen Bundesländern. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise waren von 5619 Lehrern, die zum Herbst 2003 eingestellt worden sind, 740 keine ausgebildeten Pädagogen. 353 davon unterrichten an Berufskollegs, vermitteln jungen Leuten also vorwiegend technisches und praxisorientiertes Know-how.

Weitere Infos im Internet unter:

www.lehrer-werden.de, www.psw-berlin.de, www.sensjs.berlin.de/schule/stellenausschreibungen/quereinsteiger.pdf, www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=1573

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