Zeitung Heute : ZWISCHEN DEN HALLEN

THOMAS DE PADOVA

Wann kommt die erste interplanetare Messe ?VON THOMAS DE PADOVA

Der Satellit Sputnik funkte vor 40 Jahren erste Signale aus dem All.Seither hat die Menschheit ständig neue Informationen in und vor allem durch den Kosmos geschickt.Mit dem deutschen Astronauten Ulrich Walter, der 1993 als Teilnehmer der D-2-Mission den Erdball umkreiste, sprach Thomas de Padova über digitale und virtuelle Weltenräume. TAGESSPIEGEL: Spitzentechnik auf der IFA: Ist das nur ein Slogan? Ist die Raumfahrt in manchen Sektoren nicht schon viel weiter? WALTER: Ja und nein.Die Raumfahrt entwickelt natürlich selbst fortwährend Spitzentechnik und vor allem verläßliche Technik.Die Satelliten für die Kommunikation zum Beispiel, die kommen ja alle aus der Raumfahrt.Aber die Raumfahrt versucht auch immer wieder, kommerzielle Anwendungen mit einzubeziehen, beispielsweise das Laptop.Sie kann nicht alles neu erfinden. TAGESSPIEGEL: Auf Erden wird nun alles digital.Braucht der Mensch im Weltraum soviel digitale Technik? WALTER: Ja.Nicht nur weil er damit das Rauschen unterdrücken kann und eine konstante Bildqualität bekommt.Das Allerwichtigste ist, daß im digitalen Rundfunk ungeheure Komprimierungsmöglichkeiten stecken.Wo etwa früher nur ein Kanal zur Datenübermittlung zur Verfügung stand, sind es heute 20. TAGESSPIEGEL: Der Astronaut lebt also von Bits und Bytes? WALTER: Schon seit langem ... TAGESSPIEGEL: ...eine Art virtual reality? WALTER: Nein, die Lebensverhältnissse sind sehr irdisch.Der Mensch braucht eine natürliche Umgebung.Er nutzt die Technik nur so weit, daß sie ihn unterstützt. TAGESSPIEGEL: Kann das Sammeln und Überprüfen digitaler Überlebensdaten nicht trotzdem zu einem enormen Streßfaktor werden? Denken Sie an die jüngsten Probleme auf der russischen Raumstation Mir? WALTER: Man muß mit der Computerei arbeiten.Wenn das System vernünftig ist ­ und das russische System ist leider nicht so vernünftig ­, dann sind immer noch zusätzliche Komponenten da, die die erforderlichen Aufgaben übernehmen können. TAGESSPIEGEL: Und der Mensch? WALTER: Es gibt auch bei der besten Technik immer einen Punkt, wo man reparieren muß.Da ist der Mensch einfach flexibler, und das wird sicherlich noch viele Jahrzehnte so bleiben.Früher dachte man, die Maschine könnte irgendwann alles.Aber es gibt bis heute keinen Hausroboter, der staubsaugen kann oder bügeln. TAGESSPIEGEL: Bringen Sie auch Multimedia-Visionen aus dem All mit? WALTER: Nein.Mit Multimedia hat Raumfahrt wenig zu tun.Das ist für Menschen, die etwas besonders schön sehen wollen. TAGESSPIEGEL: Wann kommt die erste interplanetare Funkausstellung nach Berlin? WALTER: In 500 Jahren ­ vielleicht auch schon in 200.

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