Zeitung Heute : Zwischen Dumping-Preisen und Kundendienst

KLAUS GÜRTLER (AP)

Preiskrieg der Online-Buchhandlungen in den USA / Gewinne werden in der Zukunft erwartetVON KLAUS GÜRTLER (AP)Im Internet trennt die Online-Buchhandlungen aus Deutschland und den USA nur ein Mausklick, tatsächlich aber liegen Welten dazwischen.In den USA, wo es Hunderte Kilometer bis zur nächsten Buchhandlung sein können, sind die Bedingungen für Online-Buchhändler geradezu ideal.In Deutschland hingegen verhindert allein schon die Buchpreisbindung einen Preiskrieg.Hier ist Online-Buchhandel oft nur ein Service für den Kunden. In den USA geht es derzeit beim Online-Buchhandel wohl nur um die Sicherung von Marktanteilen.Es strömen zwar immer mehr Firmen und inzwischen auch die großen der Buchbranche ins weltweite Datennetz, Geld verdient von ihnen aber wohl noch keiner - bis jetzt.Der wohl bekannteste Bücherdienst, Amazon.com aus Seattle, startete erst vor zwei Jahren.Inzwischen ging er im Mai an die Börse, trotz Verlusten in der Anfangszeit - das rasante Wachstum läßt für die Zukunft auf Gewinne hoffen. Der Preiskrieg in den USA ging los, als Book Stacks Unlimited (books.com) ins Netz ging und einen 40prozentigen Preisnachlaß auf die Titel der Bestsellerliste der "New York Times" anbot.Expressbooks.com hielt prompt dagegen und bot zudem noch 33 Prozent Rabatt bei gebundenen Büchern und 22 Prozent bei Taschenbüchern.Wal-Mart bot gar 300 000 gebundene Bücher mit 40 Prozent Rabatt an.Im Mai verklagte der Buchdiscounter Barnes und Nobel erst einmal werbeträchtig die Firma Amazon.com wegen der Behauptung, sie habe mit 2,5 Millionen Titel das größte Angebot aller Buchhandlungen und ging dann am nächsten Tag selbst ins Internet.Ein weiterer Riese unter den US-Buchhändlern, Borders Books, will im kommenden Jahr ins Netz gehen. Profite sind noch nicht in Sicht.Selbst Amazon.com gab im vergangenen Jahr 20 Millionen Dollar aus, um für 15 Millionen Bücher zu verkaufen.Im Vergleich zu Handelsketten wie Barnes and Noble mit einen Jahresumsatz von 2,4 Milliarden Dollar sind das immer noch "Peanuts". Für den Kunden in den USA hat dieser Preiskrieg der Online-Buchandlungen natürlich Vorteile.Der elektronische Buchkauf ist billiger als im Laden, selbst wenn man die Frachtkosten einberechnet.Online-Bücherdienste haben in den USA auch noch ein größeres Angebot als Ladengeschäfte.Zudem haben auch kleine Verlage eine Chance, Käufer für ihre Bücher zu finden. Aber auch in Deutschland, wo Preisbindung und ein flächendeckendes Netz von Buchhandlungen diesen Preiskrieg verhindern, boomen die Neueintritte ins Netz.Und der Branchenverband, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, hilft dabei kräftig mit.Unter der Internetadresse www.buchhandel.de sind von den 5000 Sortimentsbuchhandlungen schon jetzt rund 250 online zu erreichen - bis Ende des Jahres sollen es 1500 bis 2000 sein, das heißt 30 bis 40 Prozent aller Buchhandlungen, wie Eugen Emmerling, der Pressesprecher des Börsenvereins erklärt. Emmerling nennt das die Branchenlösung als Service für Leser.Ein übersichtliches Menü führt den Besucher von buchhandel.de zu einer Karte von Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz mit den Anfangsnummern der Postleitzahlen - ein Doppelklick und man erfährt, ob die eigene Buchhandlung oder eine in der Nähe befindliche schon eine Online-Bestellung entgegennimmt.Dort kann das Buch abgeholt werden, auf Wunsch wird es auch nach Hause geschickt.Reine Online-Buchhandlungen wie den Regensburger Bücherservice abiszet (www.a-zet.de) gibt es derzeit nur wenige. Der Marktforschung zufolge seien Computernutzer auch überdurchschnittliche Besucher von Buchhandlungen, erklärt Emmerling.Und dieser Service soll weiter ausgebaut werden, nicht nur was die Zahl der angeschlossenen Buchhandlungen angeht.Schon jetzt gibt es das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) mit 760 000 Titeln von fast 15 000 Verlagen sowie das Verzeichnis lieferbarer Musikalien (VLM) und das Verzeichnis lieferbarer Zeitschriften (VLZ). Hinzukommen soll noch bis Jahresende ein Verzeichnis lieferbarer CD-ROM-Titel.Dieses von der Arbeitsgemeinschaft Elektronisches Publizieren und den dort zusammengeschlossenen 650 Verlagen erstellte Werk soll einen Standard setzen und zunächst 6000 bis 8000 Titel enthalten.

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