Zeitung Heute : Zwischen Job und Weiterbildungsdruck

THOMAS KREYSSIG

"Ich kann mich ja im Grunde nicht beklagen," erklärt Robert Pelzel von VIAG Intercom, einem Unternehmen im Bereich der Telekommunikation."Man hatte uns, was den zeitlichen Aufwand und die persönlichen Belastungen durch ein MBA-Programm on-the-job betrifft, keine Illusionen gemacht.Es hat einige Zeit gedauert, bis ich den richtigen Rhythmus zwischen Job, Lernen und Freizeit gefunden habe."

Robert Pelzel ist einer von knapp 400 Studenten, die derzeit bei der "Gesellschaft zur Förderung der Weiterbildung" (gfw) an der Münchner Universität der Bundeswehr ihren MBA machen, ohne aus dem Beruf auszusteigen."Man lernt dadurch nicht zuletzt, mit seiner Zeit bewußter umzugehen und sie so gut wie möglich zu nutzen.Im Grunde ist schon das ein großer persönlicher Gewinn gewesen."

Jetzt freut sich der Ingenieur auf seine Zeit im "Center for Executive Development" der University of Houston, wo er am sechswöchigen Summer School-Programm teilnimmt.Dies ist eine der optionalen Möglichkeiten, innerhalb des ansonsten berufsbegleitenden Programms, einen Teil der Ausbildung im Ausland zu durchlaufen.

Das Studium gliedert sich in drei Phasen, die aus jeweils drei Modulen bestehen (etwa Managing Markets, Managing People oder Managing Operations).Den Abschluß bildet ein größeres Projekt in der Firma des Teilnehmers, die sogenannte "Dissertation".Am Ende der einzelnen Phasen steht ein "Examen" in Form einer Fallstudie.

Das Arbeitsmaterial (Handbücher, Disketten, CD-ROMs, Audio- und Videomaterial) wird den Teilnehmern nach Hause geliefert.Über das System "Lotus Notes" kann im Rahmen eines sogenannten Computer Conferencing der Kontakt mit den Tutoren an der Business-School aufgenommen werden.Auf demselben Weg können die Teilnehmer auch untereinander weltweit in Kontakt treten.

Professor Rainer Marr, Gründer und Leiter der Münchner Gesellschaft, sieht in jüngster Zeit ein wieder wachsendes Interesse für MBA-Programme als Weiterqualifizierung für übergreifende und internationale Managementaufgaben."Möglicherweise liegt es am Konkurrenzdruck, mit dem verstärkt auch Höherqualifizierte auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert sind.Die vielzitierte Abflachung der Hierarchie-Ebenen und die Notwendigkeit über das eigene nationale Umfeld hinaus zu operieren, sind ja nicht gerade neue Entwicklungen.Sie kommen daher als Ursache eher weniger in Betracht."

Vielleicht setze sich aber, so Marr weiter, in den Unternehmen erst jetzt die Erkenntnis durch, daß Mitarbeiter mit einer Denkweise, die an strategisch-international orientierten Fragestellungen geschärft ist, und die eine praxisorientierte Qualifikation mitbringen, die ein MBA idealiter sein sollte, ein wichtiger Wettbewerbsvorteil sind.

Marr hat das MBA-Konzept Ende der 80er Jahre als einer der ersten Anbieter nach Deutschland gebracht.Seither haben rund 150 Manager ihren MBA bei der gfw gemacht.Der amerikanische Geschäftsführer der gfw, Professor Roger Blakeney, nennt als vielleicht wichtigstes Kriterium eines Executive-MBA-Programms, daß jeder Teilnehmer, unabhängig von seiner Vorbildung und seiner bisherigen beruflichen Position davon profitieren kann.Voraussetzung für die Teilnahme ist allerdings ein abgeschlossenes Hochschulstudium.Und die knapp 30 000 Mark an Kosten wollen auch erst einmal aufgebracht sein.

"Wir haben mit unseren weltweiten Kooperationspartnern eine Reihe von Präsenzphasen etabliert: Gleich zu Beginn steht ein einwöchiger Start-up-Workshop in München; zusätzlich gibt es einwöchige Workshops in verschiedenen europäischen Ländern bis hin zur sechswöchigen Summer School." Diese Veranstaltungen werden von den gfw-Partnern vor Ort organisiert und betreut.So lasse sich das Programm nicht nur abwechslungsreicher und spannender gestalten, dort könne man auch wertvolle Kontakte knüpfen und zudem die Studiendauer deutlich verkürzen.

Robert Pelzel will seine Studiendauer jetzt aber erstmal "um zwei Wochen verlängern," wie er sagt.Er macht mit Freunden einen Segelurlaub im Mittelmeer."Und die einzigen an Bord erlaubten Bücher sind das Logbuch, Kochbücher und ein paar Krimis - irgendwann will ich mal ganz abschalten." Auch das will gelernt sein.

Ein Informationsseminar zum Executive-MBA findet am 26.Juni in München statt.

Zusätzliche Informationen erteilt die gfw, Universität der Bundeswehr München, Werner Heisenberg Weg 39, 85579 Neubiberg, t 089 / 60 60 600, Fax: 089 / 60 62322.

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