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Zypern : Was Vertrauen kostet

27.03.2013 00:00 Uhrvon

Zehn Milliarden Euro bekommt Zypern, ein kleiner Betrag angesichts der enormen Summen, die an anderer Stelle in Europa schon für Rettungspakete mobilisiert wurden. Aber das schwindende Vertrauen in den europäischen Gemeinsinn droht noch viel teurer zu werden

Vor einer Woche sollte die Zwangsabgabe auf Guthaben von mehr als 100 000 Euro noch knapp zehn Prozent betragen. Jetzt schätzt der zyprische Finanzminister Michalis Sarris die Ausfallquote auf „die Größenordnung von 40 Prozent“. Allen Ankündigungen zum Trotz ist noch ziemlich viel unklar auf Zypern, und das kostet ganz Europa Vertrauen. Kommt bei der Schocktherapie der Banken genug Geld zusammen? Worin soll das neue Geschäftsmodell der Mittelmeerinsel bestehen? Und dient der Zypern-Plan bald als Blaupause für andere Krisenstaaten der Euro-Zone?

Keine Frage, all das ist kompliziert. Der zähe Ausgleich materieller Interessen bestimmt nun schon seit Jahren den europäischen Weg durch die Banken- und Staatsschuldenkrise.

Deswegen zieht es sich so elend lange hin, deswegen sind nie alle zufrieden. Vergeblich ist das Warten auf den großen Wurf, den Ruck, der durch Menschen und Nationen geht. Schön war es nie, aber es funktioniert bisher leidlich. Der Kontinent mit seiner halben Milliarde Menschen steht im globalen Vergleich in Sachen Wohlstand und Gerechtigkeit gut da, auch wenn spanische Jugendliche das anders empfinden müssen.

Nur: Was sich gerade abspielt, ist nicht mit der Komplexität der Entscheidungsstrukturen zu erklären. Diese Fahrlässigkeit kann nicht System sein! Für eine Weile schien eine Pleite Zyperns fast beschlossene Sache zu sein. Dann wurde ein paar Tage lang über eine Zwangsabgabe auf alle zyprischen Bankguthaben, also auch die der Kleinsparer, räsoniert. Natürlich stiftet das Angst weit über Zypern hinaus. Warum sollte nicht bei der nächsten Eskalation auch anderswo in der Euro-Zone in Erwägung gezogen werden, was in Zypern beinahe Realität wurde? Um mit der Deutschen Bank zu sprechen: „Nach Staatsanleihen ist eine weitere, einstmals als sicher geltende Assetklasse beschädigt.“ Gemeint sind Guthaben unter 100 000 Euro, eigentlich durch die Einlagensicherung garantiert.

Die Antworten des deutschen Finanzministers wirken alles andere als beruhigend. „Die Spareinlagen sind in Deutschland und in allen europäischen Ländern sicher“, sagt Wolfgang Schäuble, „weil die Vorstellung, dass irgendein europäisches Land zahlungsunfähig wird, unrealistisch ist.“ Doch dank Zypern braucht man nur sehr wenig Vorstellungskraft, um die Pleite „irgendeines europäischen Landes“ für denkbar zu halten.

Noch beunruhigender sind jedoch die Einlassungen von Jeroen Dijsselbloem, des neuen Chefs der Euro-Gruppe, der Zypern als Modell für die Bewältigung ähnlicher Fälle charakterisiert hat. „Stärkt eure Banken, repariert die Bilanzen und seid euch im Klaren darüber, wenn Banken in Probleme geraten, kommen wir nicht automatisch, um sie zu lösen“, gibt er zu Protokoll, und an den Börsen wird das als Ankündigung verstanden. Marode Banken gibt es ja wahrlich genug in Europa. Es hilft da auch gar nichts, dass Dijsselbloem nur wenige Stunden später das Gegenteil behauptet und Zypern als „besonderen Fall mit außergewöhnlichen Herausforderungen“ beschreibt. Denn der nächste „besondere Fall mit außergewöhnlichen Herausforderungen“ kommt ganz sicher.

Aktuell geht es um zehn Milliarden Euro, die Zypern als Notkredit zufließen sollen, ein kleiner Betrag angesichts der enormen Summen, die an anderer Stelle in Europa schon für Rettungspakete – auch für deutsche Banken – mobilisiert wurden. Aber das schwindende Vertrauen in den europäischen Gemeinsinn droht noch viel teurer zu werden.

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