Der Tagesspiegel : Zeugin aus dem Mittelalter

Restauratoren machen aus der märkischen Burg Ziesar ein Museum. Am Sonntag dürfen Besucher rein

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Von Helmut Caspar

Ziesar. Das alte Gemäuer ist eine große Herausforderung für Denkmalpfleger und Bauleute. Auch, weil daraus bald eine große Attraktion werden soll: Die mittelalterliche Burg Ziesar (Landkreis Potsdam-Mittelmark) öffnet zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag ausnahmsweise ihre Türen.

Von 1327 bis 1560 war das Gemäuer Residenz Brandenburger Bischöfe, danach Sitz eines kurfürstlichen und königlichen Amtes und zuletzt Schulinternat. Restauratoren und Bauleute haben zur Zeit in der leer geräumten Burg das Sagen, die schon von weitem durch den riesigen Bergfried zu erkennen ist. Schönstes Schaustück ist die genutzte Burgkapelle mit ihrer prächtigen Backsteinfassade und den selten noch in dieser Reichhaltigkeit überlieferten Innenausmalung. Ihr schließt sich das Amtshaus an mit den Wohn- und Repräsentationsräumen der Brandenburger Bischöfe. Hier soll bis 2005 ein Museum eingerichtet werden, das es in dieser Form landesweit nicht gibt. Es befasst sich mit einem wichtigen Kapitel brandenburgischer und ostdeutscher Landesgeschichte, der Christianisierung und Urbanisierung der Mark Brandenburg im Mittelalter. Da eine eigene Sammlung fehlt, hoffen die Initiatoren auf Leihgaben aus Berliner, Brandenburger, Magdeburger Museen und Archive. Im September tritt eine Expertengruppe unter der Leitung von Mittelalterforschern der Universität Potsdam zusammen, um die Konzeption auszuarbeiten.

Kulturministerin Johanna Wanka, die unlängst die Burg besichtigte, und der Bürgermeister von Ziesar, Dieter Sehm, erhoffen sich von der mit dem Denkmalschutz abgestimmten Umgestaltung der Burg in ein Museum einen touristischen Zugewinn für die 3000 Einwohnerstadt mit direktem Anschluss zur Autobahn Berlin-Hamburg. In die Generalsanierung und Umgestaltung der Burg Ziesar werden, Wanka zufolge, 5,2 Millionen Euro investiert. Das Geld sei gut angelegt, denn immerhin werde ein hochrangiges Denkmal mittelalterlicher Baukunst aus der Versenkung geholt, und außerdem werde die Museumslandschaft um ein wenig bekanntes, aber wichtiges Thema bereichert. Die Bauleute stehen unter zeitlichem Druck. Die drei Jahre bis zur Eröffnung des Museums mit einer Ausstellungsfläche von 1800 Quadratmetern sind nicht viel. Im Laufe der Jahrhunderte um- und zugebaute Räume werden entkernt, eine neue Infrastruktur mit Klimatechnik und Sicherheitseinrichtungen muss her. Natürlich wird auch ein Fahrstuhl für behinderte Besucher gebaut, das ganze Umfeld wird in Absprache mit dem Denkmalschutz erneuert. Das alles muss behutsam bewerkstelligt werden. Denn die unterschiedlichen Bauphasen und Zeitschichten der Burg, in der an verschiedenen Stellen zur Überraschung der Restauratoren wertvolle Wandmalereien und auch Reste einer Fußbodenheizung gefunden wurden, müssen unbedingt sichtbar bleiben, wie der stellvertretende Landeskonservator Ernst Wipprecht erläutert. Die Stadt hofft auf viele Besucher, sie richtet im Burgnähe sogar einen Kinderspielplatz ein, auf dem Eltern ihre Sprösslinge abgeben können, wenn die nicht mit ins Burgmuseum kommen wollen.

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