ZEW-Barometer : Finanzkrise reißt Konjunkturerwartungen in den Keller

Finanzmarktexperten machen sich Sorgen wegen möglicher Folgen der US-Hypothekenkrise. Bei ihrer Befragung zu den Konjunkturerwartungen äußerten sie die Befürchtung, die Krise könnte auch auf Deutschland übergreifen.

Konjunktur
Die Finanzkrise trübt die ZEW-Konjunkturerwartungen. -Foto: ddp

MannheimDie Krise am US-Hypothekenmarkt sorgt auch bei den Konjunkturerwartungen in Deutschland für Ernüchterung. Das Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sackte im August im Vergleich zum Vormonat überraschend deutlich um 17,3 Punkte ab und liegt nun bei minus 6,9 Punkten, wie das ZEW mitteilte - dem tiefsten Stand seit Dezember 2006. "Die befragten Finanzmarktexperten sehen Gefahren, die von der Krise für die realwirtschaftliche Entwicklung in den USA ausgehen und die auch auf Deutschland übergreifen können." Nach dem dritten Rückgang in Folge liegt der monatliche ZEW-Indikator noch weiter von seinem historischen Mittelwert von 32,6 Punkten entfernt.

ZEW-Präsident Wolfgang Franz dagegen hält die Finanzturbulenzen in erster Linie für ein Problem der Vereinigten Staaten. "Mögliche Rückwirkungen auf die deutsche Konjunktur werden sich nach derzeitigen Kenntnissen in engen Grenzen halten. Eventuelle Kreditengpässe fallen in Deutschland in ein Umfeld sehr guter Unternehmensbilanzen", sagte Franz. Allerdings könnten die deutschen Exporte von einer schwächeren Kaufkraft der US-Konsumenten beeinträchtigt werden.

Analysten: Besonders Banken und Versicherungen betroffen

Die 291 befragten Analysten und Anleger sehen vor allem Banken und Versicherungen im Sog der US-Finanzkrise. Ihre Bewertungen für diese Branchen seien deutlich abgefallen, heißt es in der Mitteilung.

Die Einschätzung der Finanzexperten zur aktuellen konjunkturellen Lage verschlechterte sich im August ebenfalls. Der entsprechende Indikator ging um acht Punkte auf 80,2 Punkte zurück.

Auch die Konjunkturerwartungen für die Eurozone trübten sich im August ein. Der Euro-Indikator sank im Vergleich zum Vormonat um 13,3 Punkte auf minus 6,1 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum nahm um 7,9 Punkte auf 73,1 Punkte ab.

Die US-Finanzkrise hat erhebliche Kurseinbrüche an den Börsen ausgelöst. Mehrere Zentralbanken hatten weltweit hunderte Milliarden Euro in den Kreditmarkt gepumpt, nachdem die Banken einander kein Geld mehr leihen wollten und ihnen eine Liquiditätsklemme drohte. (mit dpa)