Der Tagesspiegel : Zu viel gekauft

Dagmar Rosenfeld

Schon den ganzen Sommer über hatte es das Gerücht gegeben, bei Karstadt-Quelle seien tausende Arbeitsplätze in Gefahr. Tatsächlich steckte der Konzern tief in der Krise: Nach einem herben Gewinneinbruch und Umsatzminus im Jahr 2003 schrieb das Unternehmen nun rote Zahlen. Und spätestens mit dem Wechsel an der Konzernspitze Ende Mai 2004 – Christoph Achenbach löste den glücklosen Wolfgang Urban ab – war abzusehen, dass bei Karstadt-Quelle massive Veränderungen bevorstanden.

Wie massiv, wurde Ende September deutlich, als der Konzern sein Sanierungsprogramm vorstellte. Konzernführung, Gesamtbetriebsrat und Verdi einigten sich dann auf einen Plan, der den Abbau von 5500 Stellen vorsieht, Nullrunden für die Mitarbeiter und den Verkauf von rund 300 Fachgeschäften – wie etwa Wehmeyer und Runnerspoint – sowie von 77 kleineren Karstadt-Filialen.

Selbst Kanzler Gerhard Schröder hatte sich in die Debatte um die Zukunft von Karstadt-Quelle eingemischt und Achenbachs Vorgängern Missmanagement vorgeworfen. Es stimmt, der Warenhaus- Konzern hatte sich übernommen, hatte Neckermann und Hertie gekauft, war mit Quelle fusioniert, kaufte sich bei Fernsehsendern und einer US-Kaffeehauskette ein. Am Ende wurde das alles zu viel.

Doch bei der Krise von Karstadt-Quelle ging es um mehr als das Versagen einzelner Manager, es ging um die Krise des Einzelhandels insgesamt. Das Ende vieler Fachgeschäfte – allein 2004 gehen 4000 Einzelhändler Pleite – und das langsame Aussterben der Innenstädte war still und leise vonstatten gegangen. Jetzt aber hatte es einen Großen getroffen, einen Traditionskonzern, der irgendwie als unkaputtbar galt. Doch eingequetscht zwischen Aldis und Lidls und den Shoppingcentern auf der grünen Wiese, war Karstadt die Luft ausgegangen. Jetzt versucht der Konzern das Warenhauskonzept neu zu erfinden. Ob es gelingt, wird sich im neuen Jahr zeigen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben