Der Tagesspiegel : Zu Weihnachten ins neue Diepensee

Das Dorf wird schnell umgesiedelt, Flughafenentscheid hin oder her

Klaus Kurpjuweit

Diepensee. In Sachen Flughafenausbau ist dieses Tempo rekordverdächtig: Gestern gab es den ersten Spatenstich für neue Mietwohnungen der Bewohner von Diepensee, die dem Flughafen-Ausbau weichen müssen. Bereits vor Weihnachten sollen sie ihre neuen Heime beziehen können – die Entscheidung, ob die Flughafengesellschaft verkauft und der Flughafen dann in privater Regie errichtet werden soll, zieht sich dagegen weiter in die Länge.

Die Umsiedlung der 335 Bewohner von Diepensee war unabhängig vom Privatisierungs- und vom Ausbau-Genehmigungsverfahren vorangetrieben worden, um schnell mit dem Bau beginnen zu können. Wo jetzt noch Häuser sind, sollen Parkplätze entstehen. Rund 81,6 Millionen Euro wird das neue Diepensee in Deutsch-Wusterhausen bei Königs Wusterhausen kosten. Das Geld dafür bringen noch die Altgesellschafter des Flughafens – Berlin, Brandenburg und der Bund – auf. Die Bewohner erhalten ihr neues Zuhause nach dem Grundsatz: neu für alt. Für eine Küche gibt es eine neue Küche, für ein Bad ein neues Bad und so weiter, egal, wie der jeweilige Zustand in den bisherigen Gebäuden war. So müsse kein Eigentümer oder Mieter mit Schulden in die neue Zukunft starten, sagte Burkhard Kieker, der Sprecher der Flughafen Projektgesellschaft Schönefeld (FPS), die auch für die Umsiedlung zuständig ist.

Bauherr der 78 Wohnungen in den 35 Mietgebäuden ist die Wärmeversorgungsgesellschaft Königs Wusterhausen. Sie hatte sich in einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt. Dabei musste sie sich nach Kiekers Angaben verpflichten, die Mieten auch langfristig auf einem sozialverträglichen Niveau zu halten. Der Bau der Mietwohnungen ist das größte Einzelprojekt bei der Umsiedlung. Daneben entstehen auch Einfamilienhäuser für Eigentümer. Ein Mehrfamilienhaus ist für altersgerechtes Wohnen ausgelegt und erhält auch eine Sozialstation. Das Umsiedlungsverfahren, zu dem auch die Umbettung der Gräber des Friedhofs gehört, entspreche den Projekten in der Lausitz für die Dörfer, die dort dem Braunkohlenabbau weichen mussten, sagte Kieker weiter. Sonderregelungen habe es nicht gegeben.

Das Risiko, dass zwar in Deutsch Wusterhausen jetzt ein neues „Diepensee“ entsteht, der Flughafen aber am Ende nicht ausgebaut wird, sieht FPS-Geschäftsführer Hans Döhring nicht.

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