Der Tagesspiegel : Zu wenige Ärzte für Kinder

Juliane Wedemeyer

Potsdam - Wegen fehlender Ärzte ist die in Brandenburg geplante flächendeckende Gesundheitsvorsorge für Kinder gefährdet. Es werde immer schwieriger, freie Plätze im Gesundheitsdienst zu besetzen oder Vertragsärzte für die Kinderuntersuchungen zu finden, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Jens Büttner. Dabei bereitet das Ministerium gerade eine Gesetzesänderung vor, die es ermöglichen soll, die Eltern mit „verbindlichen Einladungen“ an die Vorsorgeuntersuchungen zu erinnern.

Selbst in Potsdam finden die im Vorjahr eingeführten Reihenuntersuchungen in Kindergärten nicht mehr statt. 2006 hatte das dortige Gesundheitsamt eine Kinderarztstelle ausgeschrieben – ohne Erfolg, wie Amtsärztin Karola Kaiser mitteilte. Ihre Behörde will nun mit dem Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum kooperieren. Ab 2008 soll jeder Arzt, der dort eine Ausbildung zum Kinder- und Jugendmediziner absolviert, zehn Monate im Potsdamer Gesundheitsamt arbeiten.

Ihre Kollegen in den Landkreisen haben es noch schwerer. In der Uckermark untersuchten bereits polnische Mediziner die Kinder, sagte die Potsdamer Amtsärztin. Besonders betroffen vom Kinderarztmangel sind laut Büttner der Raum Jüterbog und der Landkreis Elbe-Elster. Und das Problem werde sich verschärfen. „In den nächsten Jahren werden viele Kinderärzte in Rente gehen“, sagte Büttner.

Gerade die Vorsorge-Untersuchungen sind wichtig. Nur so könnten die Ärzte feststellen, ob Kinder in ihrer Entwicklung zurückliegen. Merke man erst bei der Schuleignungs-Untersuchung, dass das Kind noch nicht richtig spreche oder sich nicht altersgemäß bewege, sei es zu spät, so Kaiser. Zudem seien die Vorsorgeuntersuchungen wichtiger Teil des Frühwarnsystems. Durch sie könnten Ärzte eher erkennen, ob ein Kind gefährdet sei.

Derzeit nehmen laut Büttner nur 70 Prozent aller brandenburgischen Kinder an den Vorsorgeuntersuchungen teil. Mindestens 80 Prozent wolle man mit dem geplanten Gesetz erreichen. Es ist auch eine Konsequenz aus dem Cottbuser Fall Dennis: Der Sechsjährige lag jahrelang tot in der Tiefkühltruhe seiner Eltern, nachdem er 2001 verhungert war. Juliane Wedemeyer

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